Pop und Preise : Echo-Verleihung: Was soll das noch?

Die Echo-Gala, die heute in Berlin stattfindet, wird nicht in die Annalen eingehen. Sie wirft vielmehr die Frage auf, was Musikpreise überhaupt sollen, ob sie dem Wesen von Pop nicht widersprechen.

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In Berlin dabei: Rihanna.Foto: dpa

War da nicht mal was? Gab es nicht spektakuläre Aktionen, wenn in der Popwelt Preise verliehen wurden? Jarvis Cocker, der Michael Jackson irritierte; Janet Jackson, die eine ihrer Brüste entblößte; Kanye West, der die Countrysängerin Taylor Swift brüskierte, als er verkündete, seine R-&-B- Kollegin Beyoncé viel besser zu finden. Man erinnert sich also. Doch wann das alles war, ob bei Grammy-, Echo-, oder MTV-Galas, wer welche Musikpreise für was erhielt – all das muss schwer ergoogelt werden. Ganz kurz: Jarvis Cocker und Michael Jackson gerieten sich 1996 bei den Brit-Music-Awards ins Gehege, Kanye West und Taylor Swift 2009 bei der Grammy-Zeremonie. Und Janet Jackson sorgte für ihren „Nippelgate“-Skandal tatsächlich bei einem Sportevent, 2004 in der Halbzeit des von MTV übertragenen Superbowls.

Bei so viel Popgeschichtsvergessenheit ist offensichtlich, dass auch die Echo-Gala, die heute in Berlin stattfindet, nicht in die Annalen eingehen wird. Sie wirft vielmehr die Frage auf, was Musikpreise überhaupt sollen, ob sie dem Wesen von Pop nicht widersprechen. Ausgezeichnet werden Künstler, die sowieso erfolgreich sind, die Nominierungen in 23 (!) Kategorien für den Echo richten sich nach den Verkaufscharts. Und ausgezeichnet werden Songs, die aus der heavy rotation der Radio- und Musiksender oft wieder verschwunden sind. Guter Pop ist viel zu flüchtig für Preisehren und nie auf Ewigkeit bedacht. Und anders als im Kino oder in der Literatur gibt es keine Popstars, die sich nach einem Preis verzehren oder als tragische Fälle gelten: So wie der 2009 verstorbene John Updike, der nie den Literaturnobelpreis bekommen hat. Oder Martin Scorsese, der viele, viele vergebliche Anläufe brauchte, bis er 2007 doch noch einen Regie-Oscar für seinen Film „Departed“ erhielt.

Pop funktioniert so nicht, und inzwischen dienen die Musikpreise mehr der Selbstvergewisserung der durch das Internet schwer gebeutelten Musikindustrie: Seht her, zeigt so eine Echo-Gala, uns gibt es noch! Wir sind noch wer! Wer da was gewinnt, ist Nebensache. 2009 hat übrigens Peter Fox die meisten Echos gewonnen. Und dieses Jahr? Ist Fox wieder in fünf Kategorien nominiert. Sage da einer, Pop sei ein schnelllebiges Geschäft!

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