Popkomm : Gegen den Mainstream

Fernab der großen Musiktempel profilieren sich kleine Clubs mit ausgefallenem Programm. Aus dem "Partnerland Deutschland" tritt im "Aufsturz" kein einziger Künstler auf. Dafür gibt es Singer/Songwriter und Country satt.

Michael Stürzenhofecker
Country
Brent Amaker and the Rodeo bringen Country zur Popkomm. -Foto: promo

BerlinEigentlich ist es auf der Oranienburger Straße nichts besonderes, wenn fünf Männer mit Cowboyhüten zwischen Junggesellenabschieden und Touristen die Straße entlang schlendern. "Brent Amaker and the Rodeo" aber fallen auf. Allein ihr Gang und ihr Auftreten verraten, dass die Jungs aus den USA "echte" Cowboys sind. Sie sind auf dem Weg zum "Aufsturz-Klub", der an diesem Abend als Popkomm-Veranstalter die Folk und Country Nische füllen will.

"Folk" ist jedoch ein sehr weiter Begriff, und schon die erste Sängerin, die Schweizerin "Lole", macht den Gästen klar, dass er nicht weit weg von Singer/Songwriter anzusiedeln ist. Gitarre und gebrochenes Deutsch mit französischem Akzent machen Spaß. Danach baut die Norwegerin Susanne Sundfør ihre Pianos vor dem weinroten Samtvorhang in dem mit Kerzenlicht ausgeleuchtetem Kellerraum auf. Kraftvoll und mysteriös sind ihre Lieder - ihr Bühnenabgang eher geheimnisvoll bis divenhaft. Sie wird als aufgehender Stern der Szene gehandelt.

Den ersten "richtigen" Folk bringt Sarah Noni Metzner auf die Bühne. Die Kanadierin begeistert mit ganz wenig Tempo aber einer großartig effektvollen Stimme mit erfrischend klugen Texten. Hinter der Gitarre erinnert sie an Björk, mit Akkordeon an einen liebenswürdigen Tom Waits. Im weiß gepunkteten Kleid strahlt sie auf der Bühne unschuldig charmante Freundlichkeit und Spaß am Auftritt aus. Das Publikum liegt ihr schon zu Füßen, lange bevor sie während ihres letzten Songs mit der Mundharmonika noch einen drauf setzt.


Die zahlreichen Gäste haben sich sich warm geklatscht, als endlich "Brent Amaker and the Rodeo" die Bühne betreten. Und das ist auch gut so, denn die Jungs aus Seattle fordern sogar vom sonst eher zurückhaltende Pokomm-Publikum, das es tanzt und "rockt". Eingängige Rhythmen verwandeln den Klub in einen Wild-West-Saloon, der Barkeeper im James-Dean-Look geht darin gänzlich auf. Die Country-Combo versteht sich eher als Projekt - privat hören die Jungs eher Rock und Indie. Sie fragen, ob sie hier im Western-Outfit überhaupt auf die Straße gehen könnten.

Dabei ist Country auch in Deutschland nicht gänzlich unbekannt. Allerdings wird die Musik hierzulande eher mit "Truck Stop" und "Texas lightning" aber auch mit "The Boss Hoss" in Verbindung gebracht. Die Gäste jedenfalls sind sich sicher: Singer/Songwriter und Country könnten zur Populärmusik aufsteigen. Und darum geht es schließlich bei der Messe: Trends von Morgen zeigen. (mist)

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