Porträt : Mckinley Black: Die Stunde der Troubadoure

"Berlin ist perfekt für mich", sagt Mckinley Black. Die amerikanische Sängerin/Songschreiberin will die Szenen der Stadt zusammenführen - und organisiert den Wettbewerb der Troubadoure.

H.P. Daniels
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Berliner Troubadourin. Mckinley Black.Foto: Mike Wolff

Eigentlich wollte die Amerikanerin Mckinley Black nur kurz in Berlin bleiben, nur mal schauen, wie es hier so ist. Dann ist ein ganzes Jahr draus geworden, dann noch eins, und im Juli sind es schon elf Jahre, die die Musikerin aus Cape Cod, Massachusetts hier lebt. Um die Ecke vom Kollwitzplatz, Prenzlauer Berg, mittendrin in der kreativen Szene, an der sie das Lebhafte, das Quirlige besonders mag.

"Berlin ist perfekt für mich", sagt die Frau mit dem jungenhaften Aussehen, den kurzen Zuppelhaaren, den braunen Augen mit der Tiefe bittersüßer Lebenserfahrungen. Und dem ansteckenden Lachen, das eine gewaltige Lebenslust signalisiert, sprudelndes Temperament. "Vielleicht habe ich das von meiner Mama." Ihre Mutter war nach dem 2. Weltkrieg als junges Mädchen aus ihrer portugiesischen Heimat Madeira nach Amerika ausgewandert. Was großen Mut und Zähigkeit erforderte, um nicht unterzugehen.

"Perseverance!" hat Mckinley neben ein paar weiteren persönlichen Lebensmaximen mit dickem Filzschreiber auf die Wohnzimmertür ihrer kleinen Einzimmerwohnung geschrieben, die sie mit ihren beiden Hunden Carlos und Georgia bewohnt. Obwohl sie fließend deutsch spricht - sie hat es im täglichen Umgang mit den Menschen gelernt - weiß sie gerade nicht das passende Wort: "Was ist 'Perseverance' auf Deutsch?" Ausdauer. Beständigkeit.

Mckinley Black hat eine Menge Ausdauer und Beständigkeit gebraucht auf dem gewundenen Weg ihres Lebens und ihrer Laufbahn als Musikerin, die mit ihren Songs und ihrer tief berührenden Altstimme die Aufs und Abs jenes Lebens besingt. Die "Temporary Longterm Setbacks", wie sie ihr zuletzt erschienenes 6. Album witzig ironisch betitelt hat: "Vorübergehend langfristige Rückschläge".

Nach Gesangs- und Kompositionsstudium am Berklee College Of Music in Boston, nach Jahren als Chefsekretärin in einem amerikanischen Krankenhaus, nach dem Tod ihrer geliebten Mutter im Jahr 1997, hatte sich Mckinley gefragt: "Bin ich glücklich? Nein!" Und sie ist ihrer inneren Stimme und der einer Schweizer Freundin gefolgt: "Du darfst dein Talent als Musikerin nicht vergeuden, dazu bist du zu gut!" Also alte Brücken abbrechen, einen neuen Weg suchen.

Der führte nach Europa. "Basel war mir zu klein und zu langweilig! Amsterdam war mir zu hektisch, aber dann: Berlin war perfekt!"
Die Stadt gefiel ihr in ihrer Vielfalt, ihrer Buntheit. Sie war fasziniert von den unterschiedlichen Menschen: den Normalen, aber auch den schrägen Gestalten: "Die kamen mir vor wie aus einem Mad-Max-Film: mit schwarzen Lederklamotten und wilden Tattoos, so was hatte ich vorher noch nirgendwo gesehen!"

Aber auch die Bedingungen für sie als Musikerin schienen so viel besser als anderswo. "Ich bekam ein Visum als Künstlerin, Krankenversicherung, fand eine bezahlbare Wohnung und eine Anstellung als Gesangstrainerin für die Dreigroschenoper am Gorki-Theater. Es gibt eine Menge Musicclubs für Auftritte, und es gibt viel Publikum!" Wobei es ein Vorteil sei, dass Berlin immer noch in gewisser Weise in Ost und West getrennt ist: "Das Publikum aus den Ost-Clubs geht nicht in die West-Clubs. Und umgekehrt. Und so hat man hier wie dort ganz andere Zuhörer. Wie in zwei unterschiedlichen Städten. Nur dass man als Musiker nicht so weite Anfahrtswege hat."

Trotzdem hat es sich Mckinley zum Anliegen gemacht, die unterschiedlichen Szenen aus dem Osten, dem Westen, dem Norden und Süden der Stadt enger miteinander zu verknüpfen, ein Forum zu schaffen zum Austausch von Sänger/Songschreibern aller geografischen und musikalischen Richtungen, aller Alterstufen. Gleichgesinnte zusammenzubringen auf der Bühne und im Auditorium.

2005 hatte sich die taffe, kleine Frau daran gemacht, mit viel Leidenschaft, Organisationstalent, Mühe und Kleinarbeit, die Idee einer neuen Veranstaltungsreihe in die Tat umzusetzen: "Troubadour – Modern Minstrels" hat ein so einfaches, wie wirkungsvolles Konzept, das den Gedanken eines "Open Stage"-Konzerts mit einem "Singer/Songwriter-Wettbewerb" kombiniert. In einer Reihe von zweimal monatlich stattfindenden Konzerten von Oktober bis Juni präsentieren sich in der "Kunstfabrik Schlot" in Mitte jeweils sechs Musiker mit je zwei Songs. Die vom Publikum und einer Fachjury gekürten Sieger eines lustig bunten Programms treten wiederum in zwei Halbfinalen gegeneinander an. Die letzten sechs bestreiten schließlich das große Finale. Jeder, der sich bewirbt darf teilnehmen, es gibt keine Vorauswahl. Einzige Bedingung sind selbstkomponierte Songs und rein akustische Instrumente. Entsprechend ist dann auch die Vielfalt der Teilnehmer, die im dritten Jahr von "Troubadour" schon nicht mehr nur allein aus Berlin kamen, sondern aus Holland, England, Frankreich, Österreich, Dänemark und der Schweiz.

Am 12. Juni findet in der Wabe (Danziger Straße 101) das Finale der vierten Staffel von Troubadour statt. Mit dem Schotten Steph McLeod, Michael Boesen aus Dänemark und den Berlinern Anna Lanfer, Dagalexus Dux, Am.Ok und Mike Shoe & Service. Am 26. Juni wird Mckinley Black am selben Ort mit ihrer Band einen eigenen Abend bestreiten.

http://www.mckinleyblack.com

http://www.troubadour.de.com

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