Postbahnhof : Adam Green mit neuer Härte

Adam Green singt im Berliner Postbahnhof: Mit "Minor Love" ist ihm ein erstaunlich gutes Album gelungen, das einen veränderten Adam Green zeigt: introvertierter, melancholischer – traurig nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin.

H. P. Daniels

Vor fünf Jahren wurde Adam Green als Hoffnung der Pop-Musik gefeiert. Besonders in Deutschland war der Junge mit der Wuschelfrisur und seinen aus Vorbildern der fünfziger und sechziger Jahre zusammengeklaubten Zweieinhalb-Minuten-Songs angesagt. Die Platten „Friends Of Mine“ (2003) und „Gemstones“ (2005) wurden als Meisterwerke gepriesen, Konzerte waren ausverkauft. 2005 auch die große Halle des Postbahnhofs. Diesmal reicht es gerade noch für den Club im Untergeschoss.

Rätselhaft ist es schon, wie schnell der Stern des New Yorker Sängers gesunken ist. Schlecht waren seine letzten Platten nicht. Jetzt ist ihm mit „Minor Love“ ein erstaunlich gutes Album gelungen, das einen veränderten Adam Green zeigt: introvertierter, melancholischer – traurig nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin. Auch auf der Bühne erleben wir einen anderen Adam Green. Nicht mehr den Kasper, den hilflosen Jungen, wirren Märchenprinzen, dürren Sänger mit lieblichen Melodien zu Akustikgitarren. Statt im engen Anzug mit zu kurzen Ärmeln signalisiert er eine neue Härte in Schwarzweiß, in nietenbesetzter Motorradlederjacke auf nackter Haut, Bluejeans und Sneakers. Mit gekürzten Haaren sieht er aus wie der späte Rio Reiser. Auch seine Band ist knallhart und laut, mit elektrischer Gitarre, schwerem Orgelsound, Bass und donnerndem Schlagzeug. Green zuckt und zappelt wie ein aufgezogenes Äffchen.

Sein Gesang erinnert an Lou Reed. Allerdings gibt er sich volksnaher, hechtet immer wieder in die Menge, lässt sich von ihr tragen. Flaschenweise schüttet er sich Bier in den Hals. Ein Song jagt den nächsten. Neue, alte, mittlere. Wobei die alten Hits deutlich verändert sind, härter, gröber, was ihnen gut tut: „Carolina“, „Dance With Me“. „Emily“ wird von der Band in einen rohen Velvet-Underground-Waiting-For-My-Man-Groove gebettet. In „Friends Of Mine“ kommt noch mal die schöne Melodie in der tiefen Bariton-Stimme des 28-Jährigen zum Ausdruck. Green wirft das Mikro in die Luft, kann es nicht mehr fangen. Es donnert mit lautem Knall auf den Boden. Am Ende ist er völlig besoffen. 

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