Premiere : Wagners "Ring" rockt

Der Bayreuther Klassik-Gigant als schöpferischer Vater einer modernen Rock-Oper: Erstmals in der Geschichte des deutschen Musiktheaters hat ein junges Ensemble Richard Wagners "Ring des Nibelungen" als buntes Musical auf die Bühne gebracht. Sie ernteten stehende Ovationen.

Ring Wagner
Neue Töne: Frank Nimsgern vertonte den "Ring des Nibelungen" neu. Christian von Götz gab ihm ein jugendliches Auftritt. -Foto: dpa

BonnRund 1000 Premieren-Gäste sahen die temporeiche Uraufführung im Bonner Opernhaus. Die weltbekannte Sage wurde von Frank Nimsgern neu vertont, der den alten Mythos um das Nibelungen-Gold "in einer rockigen Version" nacherzählte. Regie führte Christian von Götz, das Libretto schrieb Daniel Call. In den Hauptrollen waren Aino Laos als Brunhild, Karim Khawatmi als Wotan, Darius Merstein-MacLeod als Alberich und Marcus Hezel als Siegfried zu sehen.

Komponist Nimsgern hatte alle vier Teile des Opernzyklus zu einer knapp dreistündigen Musical-Fassung verdichtet. Die Handlung lehnte sich an die klassische Vorlage des Dramas um Machtgier, Versuchung und Zerstörung an: Zwerge, Menschen und Götter wetteiferten um den magischen Ring und die Allmacht, die er verspricht. Das Stück spielte aber auch mit neuen dramaturgischen Elementen. So stand die "Götterdämmerung" nicht am Ende, sondern am Beginn der Aufführung. In einer Rahmenerzählung zogen die Musical-Macher Parallelen zu den Schattenseiten moderner Familienbeziehungen - "Brunhild 2" (Hanna Bonhoeffer) musste sich nicht mit Götter-Oberhaupt Wotan, aber mit ihrem eigenen Vater "Wotan 2" (Volker Hoeschel) auseinandersetzen.

Junges Publikum

Das Publikum bekam ein musikalisches Potpourri aus Gitarren-Rock, Streicher-Balladen und A-capella-Gesang zu hören. Daneben gab es Funk-Rhythmen, Chor-Einlagen und zeitgenössischen Ethno-Pop. Die Darsteller lockerten den traditionellen Opernstoff mit akrobatischen Tanzeinlagen und knalligen Kostümen auf. Ballett-Sequenzen waren in der Choreographie ebenso enthalten wie comicartige Szenen. Auch das von Heinz Hauser gestaltete Bühnenbild sorgte mit Spiegeln und Videoprojektionen für eine gewitzte Neuinterpretation der Vorlage.

Die mit Spannung erwartete Produktion hatte auch zahlreiche junge Zuschauer ins Bonner Opernhaus gelockt. Am Ende erhielt die Bühnen-Show langen Beifall. Als prominentester Wagner-Fan erhob sich TV-Entertainer Guildo Horn von seinem Platz, um minutenlang Beifall zu klatschen. (mac/dpa)

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