Ranking : Opernball

Starke Worte, große Preise: Gespannt wartet die Branche auf die heutigen Ergebnisse der Zeitschrift "Opernwelt". Die ersten Reaktionen kamen schon vorab.

Der Welt der klassischen Musik steht offenbar der Sinn nach Bilanzen. Am heutigen Freitag gibt die Zeitschrift „Opernwelt“ die Ergebnisse ihrer jährlichen Kritikerumfrage bekannt; kurz zuvor haben sich zwei Koryphäen mit deutlicher Kritik am Klassikbetrieb zu Wort gemeldet. So empfahl Opernintendant Gérard Mortier zur Eröffnung der Frankfurter Tagung über „Europäische Dramaturgie-Tagung“ am Mittwoch, die Oper möge ihre angestammten Orte verlassen.

 „Raus aus den Häusern!“, forderte der 63-jährige Mortier, der 2009 von der Pariser Nationaloper zur New York City Opera wechselt, und wünschte sich für die Zukunft neue Architekturformen. Seit Jahrhunderten gebe es nur zwei Bauweisen, das griechische Amphitheater und die italienische Oper mit Parkett, Rängen und Logen. Sein Vorschlag: „Wenn wir keine neuen Theater bekommen, spielen wir künftig in Industriegebäuden.“

Außerdem wünschte sich Mortier eine „Gesundschrumpfung“ des Repertoires. „Oper darf kein Supermarkt sein mit ein bisschen was von allem.“ Er sei ganz froh, wenn einiges verschwinde. So hasse er etwa „veristische Opern“, sagte Mortier in Bezug auf Komponisten wie Puccini und ihren Anspruch, die Realität abzubilden. „Wirklichkeitsgetreu und Oper – das ist ein Widerspruch in sich.“ Und „Capriccio“ von Richard Strauss: „schlechte Musik, schlechter Text“.

Gleichzeitig beschimpfte der 82-jährige Dirigent und Komponist Pierre Boulez in der „Frankfurter Rundschau“ den Konzertbetrieb als Mumienschau. Zwar werde zeitgenössische Musik nicht mehr vor leeren Sälen gespielt, aber „in ein Sinfoniekonzert zu gehen, ist so ähnlich wie ins Museum zu gehen, um sich Ötzis konservierten Leichnam anzuschauen“. Der Konzertbetrieb verändere sich zu langsam. Dass die Musiker Frack tragen, hält Boulez für überholt und fragt: „Warum nicht auch noch eine Perücke!“

Die gute Nachricht: Michael Gielen (80), der sich seit Beginn seiner Dirigentenlaufbahn für neue Musik und neues Musiktheater engagiert, wird mit dem Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ für sein Lebenswerk geehrt. Der Bühnenverein überreicht den Preis am 23. November in München mit acht weiteren Theaterauszeichnunen, deren Gewinner noch bekannt gegeben werden. Tsp/dpa

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