Robert Miles - Thirteen : Das Kreisen um ein Nichts

Mit seinem Dreamtrance-Klassiker „Children“ hat Robert Miles schon seit Längerem nichts mehr am Hut. Dafür sind jetzt bis ins Unendliche hinein modulierte Klangskulpturen sein Ding.

Martin Väterlein
Vom DJ zum Progrocker
Vom DJ zum ProgrockerFoto: Salt

Ein echter Weltstar hätte 1996 aus Roberto Concina werden können. Der erste Superstar aus der Techno-Ecke. Sein Stück „Children“ kletterte erdumspannend in die Charts. Seitdem ist kaum ein Werbespot oder TV-Trailer mehr zu finden, der seine Jugendlichkeit nicht durch trancigen Techno untermalt.
Der große Hit bedingte weltweite Tourneen als DJ für Robert Miles. Dann kam der Rückzug und die Besinnung auf die Musik. Kooperationen mit Robert Fripp, Bill Laswell und Trilok Gurtu folgten. Zahllose Soundtracks entstanden.

„Thirteen“ nun dokumentiert wohin diese lange Reise Miles gebracht hat. Vom einstigen Elektrosound ist fast nichts übrig geblieben. Stattdessen dominieren Schlagzeug, Bass und E-Gitarren. Es ist der absolute Rückzug in die 70er Jahre vor der Punkzäsur.
Nun ist die Besinnung auf Kraut- und Progrock spätestens seit Radioheads Erfolg mit „OK Computer“ nichts mehr, wofür sich Musiker schämen müssten. Etliche Bands sind in den vergangenen Jahren diesen Weg gegangen. Im besten Fall führte dieser Weg zu faszinierenden, weil schwer entschlüsselbaren Klanglandschaften.

Das Gegenteil erwartet den Hörer auf „Thirteen“. Hier liegt alles offen zutage. Komplexität Fehlanzeige. Was bleibt ist ein Soundtrack, der nie zu enden scheint. Ziel- und zahllose Gitarrensoli drehen sich im Kreis. Keyboardflächen werden ausgebreitet, liegen dann aber brach. Man mag an Pink Floyd denken. Nur wo bleibt deren Aggressivität und schwarze Melancholie? Am ehesten trifft es wohl der Vergleich zu Pink Floyds Spätwerk „A Momentary Lapse of Reason“, das mit Vangelis oder Tangerine Dream verquirlt wurde.
Miles gesanglose Stücke scheinen zu kreisen. Doch sie kreisen um ein Nichts. Töne verlieren sich in einem Strudel der Sinnlosigkeit. Und wie so oft bei dieser Art von Musik kann man das gut Hören ohne Hinzuhören. Wie Retrotapeten in Latte Macchiato Cafes signalisieren die Kompositionen auf Thirteen eine gewisse Geborgenheit. Hier ist man sicher vor unliebsamen Überraschungen. Das mag für ein bestimmtes Marktsegment attraktiv sein. Muss aber nicht.

Neu auf Vinyl:

Marianne Faithful hat anscheinend wieder richtig Lust aufs Musikgeschäft. In schöner Regelmäßigkeit erscheinen Platten von ihr. Auch Horses and High Heels zieht wie die drei Vorgängeralben seine Stärken aus den Coverversionen, die zu Gehör gebracht werden. Schwächen werden dort offenbar, wo Faithful selbst zur Feder gegriffen hat. So entstand zum Beispiel ein Lied namens „Why did we have to part“, das eher peinlich berührt.
Zu Loben ist dagegen der Mut, der diesmal zu einer Produktion ohne Netz und doppelten Boden führte. Stärken und Schwächen werden nicht aufwendig überhöht oder übertüncht. Das hat was.

Aufs Vorzüglichste dokumentieren die beiden Sampler Bossa Nova die Entstehung und Blüte brasilianischer Musik in den sechziger Jahren und damit eine Zeit, in der aus dem Dritte Welt Land eine urbane und industrialisierte Gesellschaft wurde.
Natürlich gibt es schon eine Vielzahl von teils ebenfalls hochwertigen Bossa Zusammenstellungen. Das Besondere hier aber ist der Fokus auf die Lieder, die tatsächlich in Brasilien aufgenommen wurden. Sehr empfehlenswert. 

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