Rosanne Cash in der Passionskirche : Reduziert bis auf die Knochen

Johnny Cash ist immer präsent in der Musik seiner Tochter Rosanne, die wie er mehr auf Zurückhaltung und Sparsamkeit setzt, als auf große Posen. Eine Konzertkritik.

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Die Musikerin Rosanne Cash bei ihrem Konzert in der Passionskirche.
Die Musikerin Rosanne Cash bei ihrem Konzert in der Passionskirche.Foto: dapd

John Leventhal spielt ein lässig bassig, jazzig swingendes Intro auf der Akustikgitarre, während seine Ehefrau Rosanne Cash zu großem Jubelempfang aus der Sakristei der vollbesetzten Passionskirche mit roter Mähne und in einer langen weinroten Seidenjacke ans Mikrofon schnipst und tänzelt. Mit ihrer schönen Altstimme singt sie: "I'm Moving On". Den alten Countrysong von Hank Snow aus dem Jahr 1949 hatten auch schon Hank Williams gesungen, Elvis Presley, Ray Charles, die Rolling Stones. Und natürlich Johnny Cash, Rosannes Vater.

Nachdem sie ihren Highschoolabschluss gemacht hatte im Sommer 1973, als sie mit ihrem Vater auf Tournee ging und sich mit ihm über Musik unterhielt, war der erstaunt wie wenig Ahnung seine Tochter von der großen amerikanischen Songtradition hatte. Besorgt schrieb er ihr eine Liste der "100 Essential Country Songs"- frühe Folksongs, Blues, Gospel, Texas Swing, alte Traditionals.

35 Jahre hat Rosanne die Liste mit sich herumgetragen, bis sie sich entschloss, mit ihrem Mann John Leventhal eine Auswahl davon behutsam neu zu arrangieren und für ein Album aufzunehmen. "The List", mit 12 Songs aus dem großen Katalog von Papa Cash, erschien im letzten Jahr und wurde wegen der besonders schönen sparsamen Instrumentierung und so erlesenen Gesangspartnern wie Bruce Springsteen, Elvis Costello und Jeff Tweedy zu einer exquisiten Platte.

Im Konzert werden die Songs noch weiter reduziert, bis auf die Knochen. Begleitet nur von Leventhals kleiner Akustikgitarre, und der großen edlen Martin Rosannes. Kein Bass, kein Schlagzeug. Auf betörende Weise arbeiten die Beiden die "Liste" ab: "Miss The Mississippi And You" interpretieren sie als coolen Country-Jazz-Swing. Der traditionelle alte Folksong "Long Black Veil" bekommt noch mal einen neuen Dreh, so auch der hübsche alte Blues "Motherless Children", wie auch A.P. Carters melancholische Ballade "Bury Me Under The Weeping Willow".

Dazwischen streut Rosanne Cash ein paar eigene Songs von ihrem vorletzten Album "Black Cadillac" aus dem Jahr 2006, ihrer persönlichen Aufarbeitung diverser persönlicher Schicksalsschläge, vor allem die Tode ihrer Eltern: Johnny Cash und seiner ersten Ehefrau Vivian Liberto. "Burn Down This Town" rockt dann wieder bluesig.

Vater Cash ist immer präsent in Musik und Vortrag seiner Tochter, die wie er mehr auf Zurückhaltung und Sparsamkeit setzt, als auf große Posen. Und deren Stimme gerade durch ihre lässige Zurückhaltung ihren großen Ausdruck erlangt. John Leventhal ist dafür der ideale Begleiter mit seinen fingerfertigen Country-, Blues-, Jazz- und Rockriffs auf der akustischen Gitarre. Stehender Jubel nach anderthalb Stunden. Papa Cash wäre stolz auf seine Tochter.

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