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Schein & Sein : Eine schrecklich nette Familie

18.11.2012 00:14 Uhrvon
Sänger Hartmut Engler im Gespräch mit einem Fan an der Poolbar.Bild vergrößern
Sänger Hartmut Engler im Gespräch mit einem Fan an der Poolbar. - Foto: Agentur Focus

Die Popband Pur hat ihren Ruf weg: gefühlig, schwäbisch, harmlos. Ihr neues Album feierte sie mit Fans in einem Club auf Zypern. Unser Autor hat sich vor dieser Reise gefürchtet.

Als ich den Auftrag bekam, mit der schwäbischen Band Pur und 500 ihrer treuesten Fans nach Zypern zu fliegen, um das neue Album „Schein & Sein“ kennenzulernen, nahm ich gewohnheitsmäßig ein leeres Stück Papier, notierte darauf den vorläufigen Arbeitstitel, also das, was mich höchstwahrscheinlich auf der Reise erwarten würde, und klebte den Zettel zur Erinnerung an die Wand. Auf ihm stand: „Vier Tage Fegefeuer“.

Es fällt leicht, diese Band zu verachten. Meine Freunde tun es, meine Geschwister, die meisten Kollegen. Das deutsche Feuilleton hat in den vergangenen drei Jahrzehnten eine Menge Energie darauf verwendet, Pur zu demütigen: Mal wurden sie als „Problemwälztruppe“ verhöhnt, mal als „nervtötend einfühlsam“ oder als „Band für Leute, die sich nicht für Musik interessieren“.

Wer Argumente zur Untermauerung seiner Abneigung brauchte, musste bloß einen ihrer schnulzigen Liedtexte zitieren, zum Beispiel: „Du blitzt mich an mit deinen Funkelperlenaugen, das tut so gut, da ist so viel für mich drin.“

Andererseits muss es irgendwie auch möglich sein, Pur innig zu lieben. Sonst hätte die Band keine zwölf Millionen Alben verkauft. Ihre letzten sechs Platten landeten jeweils an der Spitze der Charts. Das haben die Toten Hosen bisher nicht geschafft.

Einer von denen, die Pur innig lieben, heißt Rudi. Freitagnachmittag sitzt er im Aldiana-Club auf der Terrasse des Strandcafés, vor sich die Südküste Zyperns, um sich herum Dutzende andere Pur-Fans. Die Novembersonne scheint auf Rudis Glatze. Später wird er sie drüben im Haupthaus bei der Autogrammstunde Martin hinhalten, dem Gitarristen von Pur, und der wird seinen schwarzen Edding zücken und mitten auf dem Schädel unterschreiben. Wenn Rudi gefragt wird, was er an Pur so sehr schätzt, dass er 1000 Euro bezahlt, um mit fünf Musikern und einer Fanhorde Cluburlaub zu machen, muss er nicht lange überlegen. Er sagt: „Pur ist die Band mit den Texten zum Gedankendrübermachen.“ Diese Texte schreibt Hartmut Engler, der Sänger. Er dichtet über Einsamkeit, über das erste graue Haar, über Freundschaften und Geburten, über Sinnsuche und Selbstzweifel. Immer wieder auch über Romantik: „Ich lieb’ mich bei dir, ich lieb’ mich an dir, ich lieb’ mich in Dir fest – wenn du mich nur lässt.“

Okay, das mag weichgespült klingen und manchen verschrecken, sagt Ralf am Nebentisch. Er ist der Fanbeauftragte der Band, hört ihre Songs seit 24 Jahren, und das, obwohl er eigentlich Heavy Metal mag. Als er damals Hartmut Engler kennenlernte, hielt er den „zuerst für einen Schlagerfuzzi“. Doch dann habe er die Gruppe live gesehen und bald bemerkt, dass Pur auch „brutalen Rock bieten“ könne, zumindest tief drinnen im Herzen. Man müsse sich als Zuhörer eben nur fallen lassen und eintauchen in das Meer aus Gefühlen. Ralfs Lieblingszeile: „Komm mit mir ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand.“ Im Grunde sei genau dies die Essenz des Pur-Hörens, sagt Ralf: Rationalität aus, Emotion an.

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