Sie wollen Spaß : Maserati unterm Sternenhimmel

Nächste Woche laden Veteranen der Neuen Deutschen Welle zur Revue ins Tempodrom ein Der Tagesspiegel hatte Markus, Hubert Kah, Fräulein Menke und UKW-Sänger Peter Hubert zuvor zum NDW-Gipfeltreffen gebeten.

Eva Kalwa
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Spaßgesellschaft. NDW-Veteranen Hubert Kah (l.) und Markus. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Einst zählten sie die Sommersprossen ihrer neuen Flamme oder Luftballons am Himmel, sie flogen völlig losgelöst durchs Weltall oder rasten mit Tempo 210 im Maserati: „Ich will Spaß“ lautete 1982 nicht nur ein Nummer-eins-Hit, sondern auch das Motto der Neuen Deutschen Welle, kurz NDW. Vier Veteranen dieser Ära – darunter Hubert Kah („Rosemarie“, „Sternenhimmel“) und „Ich will Spaß“-Sänger Markus – laden am Sonnabend nächster Woche ins Tempodrom zu einer Revue. Sie wollen das ausgelassene Lebensgefühl der Achtziger zurück auf die Bühne bringen. Auch Franziska Menke alias Frl. Menke („Hohe Berge“, „Tretboot in Seenot“) und Peter Hubert, die Stimme von UKW („Sommersprossen“, „Hey Matrosen“), werden auf der Bühne stehen. Markus, der bürgerlich Markus Mörl heißt, moderiert. Die vier Musiker kennen sich seit langem, früher trafen sie sich regelmäßig bei der ZDF-Hitparade, bei Konzerten oder privat. „Wir waren alle geistig auf dem gleichen Trip“, erinnert sich Kah. „Es war, als hätte eine Art Verdichtung der Energie stattgefunden, die uns mit sich trug und uns zu besseren Musikern machte.“

Im Tempodrom soll eine Liveband die vier Interpreten begleiten. Auch die NDW-Hits anderer Künstler werden gespielt, von professionellen Sängern gecovert. Und: Alle Songs gibt es in neuer Interpretation zu hören. Denn auch wenn Zauberwürfel, Keyboards, Schulterpolster und rote Mini-Lederröcke für das stilechte Flair sorgen, soll der Abend nicht nur eine nostalgische Zeitreise sein. „Wir rocken viel mehr. Und den Ska-Song ,Hey Matrosen‘ bringen wir jetzt in einer Swing-Version“, sagt Markus. Dieses Lied über den Falklandkrieg beweise zudem, dass es in den Texten nicht nur um Liebe und Heiterkeit gegangen sei. Bis heute wehren sich der 47-Jährige und seine Kollegen vehement gegen den Vorwurf der Banalität. „Unter den NDW-Songs waren etliche Gassenhauer mit sehr gutem Songwriting“, findet Kah. Man habe ein Feuerwerk originärer Lied- und Textführung abgefackelt, genau deshalb seien aus den Hits von damals Evergreens geworden.

Die erste Wiederentdeckung der Neuen Deutschen Welle war kurz nach dem Mauerfall. Viele Ostdeutsche hätten die deutsche Popmusik hören wollen, zu der es vorher offiziell keinen Zugang gegeben habe, sagt Menke. Von 1979 bis 1981 hat die Hamburgerin in Berlin gelebt, ihre erste eigene Wohnung lag in Charlottenburg, die damals 20-Jährige genoss hier eine wilde Partyzeit. Auch Markus stürzte sich aus seiner ersten Behausung in Friedenau ab 1980 ins Großstadtleben rund ums SO36 und das Café Central am Nollendorfplatz. „Die Wohnung lag hinter einem Möbelgeschäft, im Winter war es eisig.“ Das scheint heute, kurz nach Veröffentlichung seines sechsten Soloalbums, lange her.

Auch die anderen blicken nach vorn: Kah arbeitet an neuen Songs, Hubert ist als Verleger und Produzent tätig. Und Wenke wird vielleicht bald mit Chansons und Brecht-Liedern auftreten. Wird sie bei der NDW-Show ein Dirndl tragen wie früher? „Aber natürlich“, lacht sie. Auch Kah denkt schon über ein Kostüm aus Damenunterwäsche nach – einst trat er mit Vorliebe in Zwangsjacke und Nachthemd auf. Eva Kalwa

Tempodrom, 10. Januar, 20 Uhr. Tickets zwischen 40 und 60 Euro. Mehr Informationen unter www.ich-will-spass.de.

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Wollen Spaß. NDW-Veteranen Hubert Kah (l.) und Markus. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

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