Staatsoper : Der Vulkan

Musiktheater lebt vom Konflikt. Der Konflikt, der Beat Furrers Hörtheaterstück "Fama" belebt, ist der zwischen Geräusch und Klang.

Carsten Niemann

Dass der Schweizer Komponist tatsächlich Wesentliches zum Verhältnis dieser beiden elementaren Phänomene zu sagen hat, zeigt sich am Donnerstag beim Gastspiel des von ihm geleiteten Klangforums Wien und des Vokalensembles Nova im Magazingebäude der Staatsoper.

Allein schon die Vielfalt der Pizzicati frappiert: Sie reicht vom unwirklich sonoren Knacken bis zum metallenen Tröpfelgeräusch. Anregend sind auch Furrers Expeditionen in das oft vernachlässigte oberste Frequenzspektrum. Vor allem aber beeindruckt die große Plapperarie der Solistin Isabelle Menke, in der sich Schrei und Gesang, Menschenstimme und Orchesterklang, Sprache und Melodie virtuos durchdringen. Furrers musikalische Formulierungen sind aber nicht nur zwingender und poetischer als das, was der Mainstream der Neuen Musik zu bieten hat. In „Fama“ nutzt er offensiv den Raumklang und wagt sogar bildlich-dramatische Effekte: So endet die erste Szene mit einem buchstäblich Schwindel erregenden chromatischen Sturz vulkanischer Asche.

Was dem musikalisch dramatischen Abend zu echtem Musiktheater noch fehlt, ist ein ebenso packender szenischer Konflikt. Vielleicht verfügen Uli Fussenegger und Katharina Winkler, die das Monodrama nach der 2004 entstandenen Uraufführungsfassung von Christoph Marthaler einrichteten, nicht über genügend Mittel für ein Bühnenbild.Vielleicht vertrauen sie aber auch zu sehr darauf, dass die Coolness des Magazingebäudes über das Fehlen eines zwingenden visuellen Konflikts hinwegtäuschen würde. Carsten Niemann

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