Statt Popkomm : Clubs setzen auf Bermuda

Angesagt statt abgesagt: Die "Berlin Music Days" (Bermuda) sollen die Popkomm-Lücke füllen. Darauf hoffen die Clubs.

Nana Heymann
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Farbige Musikszene. Die Betreiber des Watergates an der Oberbaumbrücke gehören zu den Initiatoren der Musiktage. -Foto: Sven Lambert

BerlinAls die Popkomm vor knapp zwei Monaten unvorhergesehen abgesagt wurde, hatten Berlins Clubmacher ein Problem: Das Rahmenprogramm für die Zeit der Musikmesse war schon geplant, viele DJs und Künstler bereits gebucht, samt Flügen und Hotel. Was also tun? Die Macher des Kreuzberger Watergates brauchten nicht lange zu überlegen. Sie haben einfach die „Berlin Music Days“ organisiert, kurz „Bermuda“. Dabei handelt es sich um eine Musikwoche, die das gesamte Club-Spektrum in Sachen elektronische Musik abdecken soll.

Läden wie Cookies, Tresor und Berghain beteiligen sich an Bermuda, die vom 16. bis zum 19. September zum ersten Mal stattfinden wird. „Da die Idee von der Basis kommt, ist sie authentisch und brauchte nicht allzu viel Überzeugungsarbeit“, sagt Initiator und Watergate-Betreiber Ulrich Wombacher, besser bekannt als DJ Metro. Es habe schon seit längerem die Überlegung gegeben, „sich aus dem Schatten einer unbeweglichen und in veralteten Strukturen funktionierenden Messe zu erheben“ und gemeinsam eine Veranstaltungswoche ins Leben zu rufen.

Dass ein Projekt wie Bermuda der Stadt gut zu Gesicht steht, davon sind die Initiatoren überzeugt. „Berlin ist seit Jahren die Hauptstadt elektronischer Musikkultur und ein Magnet für Clubtourismus“, sagt Ulrich Wombacher. Viele Labels und Künstler zieht es wegen der guten Voraussetzungen und Freiräume hierher, die Szene ist gut vernetzt. Protagonisten wie die Kanadier Peaches oder Richie Hawtin wissen diese Vorzüge zu schätzen. Für ihn war es deshalb keine Frage, sich mit seinem Label „Minus“ an Bermuda zu beteiligen. Parallel zur Musikwoche organisiert Musikmanager Tim Renner das Branchentreffen „All2gether now!“ im Radialsystem an der Holzmarktstraße mit verschiedenen Diskussionsrunden.

Internetpiraterie und die Krise der Musikbranche – das waren zwei der Gründe, warum die Popkomm abgesagt wurde. Wegen der vielen illegalen Downloads im Internet hätten es sich viele Unternehmen nicht mehr leisten können, an der Messe teilzunehmen, sagte Popkomm- Gründer Dieter Gorny. Die Wahrheit ist jedoch, dass sich gerade die Major-Labels bislang keine Strategie überlegt haben, wie sie auf die veränderten Marktbedingungen reagieren könnten. Vielen kleinen Plattenfirmen geht es trotz sogenannter Krise gut – oder vielleicht gerade deswegen.

Auch die Clublandschaft ist von dieser Entwicklung noch nicht betroffen. „Für uns ist die Krise aber eher Grund, etwas zu unternehmen“, sagt Ulrich Wombacher. Das Absagen von Events sei jedenfalls das falsche Signal. Mit dieser Meinung ist er nicht allein. Auch Tim Renner und Olaf Kretschmar von der Club Commission, dem Zusammenschluss der Club- und Veranstaltungsbetreiber, kritisierten das Aus der Messe. Eine abgespeckte Form sei angemessener gewesen.

Diese findet nun in Form von Bermuda statt. Die dritte Septemberwoche hatten sich viele Besucher aus der Branche ohnehin seit Jahren für Berlin vorgemerkt. Sie lag zwischen international feststehenden Terminen wie dem Sonar-Festival in Barcelona oder der Winter Music Conference in Miami. Es habe sich daher angeboten, den Berliner Termin nicht unbedingt neu zu definieren.

Nach einer eigenen Modewoche wird die Stadt nun also auch eine Musikwoche haben, eine, die nicht nur für ein Fachpublikum gedacht ist, sondern offen für Clubgänger und Musikinteressierte. Zwar sind die Protagonisten der elektronischen Szene untereinander gut vernetzt, aber auch bei denen gebe es das Bedürfnis nach regelmäßigen Treffen, nach einem Austausch von Angesicht zu Angesicht. „Wir schaffen dafür die Möglichkeit in einer ungezwungenen Atmosphäre“, sagt Ulrich Wombacher.

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