The Love Bülow : Limonade gegen Liebeskummer

Rocken und rappen: The Love Bülow haben viele Nachwuchspreise gewonnen. Jetzt geht die Band erstmals auf Tour. Ein Treffen.

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Zielstrebig. Falk-Arne Goßler, Michél Kollar, Juri Westermann, Jakob Unger, Golo Schmiedt (v. l.) sind The Love Bülow.
Zielstrebig. Falk-Arne Goßler, Michél Kollar, Juri Westermann, Jakob Unger, Golo Schmiedt (v. l.) sind The Love Bülow.Foto: Philipp Nowak

Wo trifft man eine Band mit dem Namen The Love Bülow? In der Bülowstraße? Auf der etwas härteren Seite von Schöneberg? Alles Quatsch. Treffpunkt ist das Café „Übereck“ in der Friedrichshainer Sonntagsstraße, fast zehn Kilometer von der Bülowstraße entfernt. Dunkelbraune Holzdielen, Kerzenleuchter auf den Tischen, alles nicht besonders schick, ein Ort für jedermann.

Hier überzeugte die Band vor etwas mehr als zwei Jahren Oliver Sasse, ihr Manager zu werden. Es war der Beginn ihres Aufstieges, der im vergangenen Jahr zum Sieg beim Local Heroes Bandcontests führte, einem der größten nicht kommerziellen Musikwettbewerbe Deutschlands. „Bester Newcomer des Jahres 2010“ darf sich The Love Bülow seither nennen. Außerdem setzten sie sich bei „So Klingt Berlin“ durch und gewannen beim „Stylesand Skills“-Contest. Am Sonntag starten die fünf jungen Männer in der Kulturbrauerei ihre erste große Deutschland-Tour.

Und die Bülowstraße? Hier lernten sich Sänger Falk-Arne Goßler, Gitarrist Michél Kollar und Schlagzeuger Golo Schmiedt vor drei Jahren kennen. Goßler, mit 22 Jahren der Jüngste, machte gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Jugendzentrum. Dort lernte er bei einem Musikworkshop die beiden anderen kennen. Im miefigen Kellerraum in der Bülowstraße fanden die ersten Proben statt. Bald kamen Keyboarder Jakob Unger und Bassist Juri Westermann dazu. „Nach einem halben Jahr brauchten wir aber einfach mehr Licht“, sagt Goßler. Also zogen sie um in einen Proberaum am Ostkreuz. Hier, ganz in der Nähe vom Café „Übereck“, wohnen die fünf Musiker auch.

Apfelschorle, Ginger Ale, Beck’s Green Lemon – sie bestellen nicht gerade, was man von wilden Nachwuchsrockern erwarten würde. Das sind sie nicht – und wollen es auch gar nicht sein. Die Bandmitglieder wirken zielstrebig, diszipliniert. „Uns macht man keine Freude, wenn man uns einen Kasten Bier hinter die Bühne stellt“, sagt Gitarrist Kollar, mit 28 Jahren der Band-Älteste. Sie seien eher so eine Art „Bionade-Band“, ergänzt Drummer Schmiedt.

Der Name The Love Bülow spielt nicht nur auf den Straßennamen, sondern auch auf „The Love Below“ an, die eine Hälfte des legendären Split-Albums von Outkast aus dem Jahr 2003, ein moderner HipHop-Klassiker. Anfangs hatten The Love Bülow geplant, reinen HipHop zu machen. Denn das war die Domäne von Falk-Arne Goßler, dem hippeligen Frontmann. Als MC F.A.G. textete, rappte und sampelte er, seit er 14 Jahre alt war. Doch die Band entwickelte sich schnell in eine andere Richtung. „Indierap“ nennt das Quintett seinen Sound. Denn zum HipHop sind auf dem kürzlich erschienenen Debütalbum „Menschen sind wie Lieder“ (MaM Records) auch Indie-Rock sowie weitere Einflüsse hinzugekommen.

Dass bei ihren sehr unterschiedlichen musikalischen Vorgeschichten ein buntes Stilgemisch entstehen würde, hätte den Musikern eigentlich klar sein müssen. Gitarrist Kollar, einziger Nicht-Berliner der Gruppe, spielte früher nur in Rockbands. Ebenso der 23-jährige Bassist Westermann. Ein bisschen härter mochte es Schmiedt, der sich in „Knatterkapellen“ am Schlagzeug abreagierte, also Heavy Metal machte. „Die Jungs haben mich durch den Weichspüler gejagt“, sagt der 27-Jährige heute. Die Genres von Keyboarder Unger waren Jazz und Funk. Die 13 Album-Songs dürften für ihn eher Fingerübungen sein. Er verdient sein Geld als Jazzpianist und ist der Einzige in der Band, der von der Musik leben kann. Die anderen studieren, volontieren oder unterrichten nebenher. Und dann gibt es da noch eine musikalische Prägung, über die alle Bandmitglieder gerne sprechen, nur der sonst so redselige Goßler gibt sich zugeknöpfter als sonst: Bis zu seinem 14. Lebensjahr genoss er eine klassische Gesangsausbildung und trat im Duett mit Schlagerstars wie Andrea Berg und Christina Bach auf. Als netter Liebling für Großmütter wäre er auch heute noch keine totale Fehlbesetzung. Doch der schnelle Sprechgesang des Poprappers würde seine alten Schlagerfans heute verstören.

Sich von Bach und Berg abzusetzen, ist für Goßler beim Texten ein großer Ansporn: „Wir wollen zeigen, dass man gute deutschsprachige Musik abseits von Schlagern machen kann.“ Die Songs von The Love Bülow drehen sich um Einsamkeit, Liebe, Niederlagen, ohne den Kitsch-Bogen zu überspannen. „Menschen kommen und gehen, Menschen sind wie Lieder, die einen bleiben Evergreens, die anderen kommen nie wieder“, singen sie etwa für einen Liebeskummer-Kranken.

Schließlich gilt aber, was sie in ihrer Anheiz-Nummer „Dancen“ lauthals verkünden: „Ladies und Gentleman, wir sind gekommen, um Hits zu bringen, also tut uns den Gefallen und lasst eure Hüften schwingen.“ Mal bedient sich Keyboarder Unger dafür beim Reggae, mal beim Synthiepop. „Wir wollen einen positiven Grundgedanken vermitteln, die Leute sollen mit einem lebensbejahenden Gefühl aus unseren Konzerten gehen“, sagt Gitarrist Kollar. Er achtet darauf, dass die Songs einen Pop-Appeal haben, besonders in den gesungenen, einprägsamen Refrains, die auf Goßlers flotten Sprechgesang folgen. „Wir stehen einfach auf gut gemachte Popmusik.“

Massentauglichkeit hat die Band schon in den vergangenen Jahren bei vielen Nachwuchswettbewerben bewiesen. Damit soll jetzt Schluss sein. Sie seien froh, auf der eigenen Tour endlich einmal länger als eine halbe Stunde spielen zu dürfen und sich nicht mehr ständig mit anderen Musikern messen zu müssen. Nur zwei Ausnahmen wollen sie noch machen: Am kommenden Dienstag werden sie in Recklinghausen als Vorgruppe der Gießener Pop-Rock-Formation Juli („Perfekte Welle“) auftreten. „Die Musik passt zwar nicht hundertprozentig zu dem, was wir machen. Aber wer Juli hört, kann auch mit uns was anfangen“, sagt Gitarrist Kollar.

Die zweite Ausnahme: The Love Bülow hat sich für Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ beworben. Noch einmal ein Wettbewerb. Wollen sie den Titel nach Berlin holen? Nein, sie gehen für Mecklenburg-Vorpommern – die Heimat von Gitarrist Michél Kollar – gegen die 15 Kandidaten aus den übrigen Bundesländern ins Rennen. Das wird ihnen das Berliner Publikum aber sicher ganz schnell verzeihen.

Konzert: Kulturbrauerei, Maschinenhaus, Sonntag, 27.3., 21 Uhr

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