The Rain : Die harte englische Art

Von Köln über London nach Berlin: Wie die Indie-Rockband The Rain die Welt erobern will.

Ric Graf
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Austeiger. Lorenz Theuer, Carlos Bruck und Daniel Schröteler sind The Rain. -Foto: David Heerde

Diese Jungs wollen es wissen: Im vergangen Jahr brachten sie in Großbritannien ihr erstes Album „Involver“ heraus, drehten ein Video mit Top-Model Eva Herzigova, tourten erfolgreich durch England und waren die Vorgruppe der Rakes. Wie ein Marathon kam ihnen diese Zeit vor. Jetzt sind sie wieder in Berlin. Und Berlin verspricht für die Jungs gerade viel Ruhe. Sie wirken entspannt, haben sie doch dem Druck im Musikgeschäft standgehalten. The Rain wohnen in Friedrichshain und Pankow. Und hier scheinen sie angekommen zu sein.

Inzwischen ist ihr Album auch in Deutschland erschienen, dem englischen Markt haben sie den Rücken gekehrt. Das können sie sich offenbar leisten. In zahlreichen Internet-Foren wird ihnen bereits eine steile Karriere vorausgesagt. Und sie haben das Zeug dazu, Hits zu schreiben.

Die Bandbiografie von The Rain ist auf den ersten Blick etwas anders, etwas verschrobener, etwas umständlicher als viele andere. Angefangen hat zwar auch hier alles während der Schulzeit: Sänger Lorenz Theuer und Bassist Carlos Bruck gingen auf das selbe Gymnasium in Köln, spielten in einer Jazzband und kurz vor dem Abitur gründeten sie The Rain. Ihre Eltern unterstützten den ehrgeizigen, aber nicht leicht umzusetzenden Plan, mit Musik Geld zu verdienen oder gar richtig erfolgreich zu werden. Der Sound: klar Indie, aber immer ein Stück poppiger als rockig – das ist der Sound vieler britischer Indie-Bands. Und dieser Sound unterscheidet sie von mancher deutscher Band. Man hört in jeder Zeile in jedem Riff die englische Schule heraus.

Jahrelang bestand die Band nur aus Lorenz und Carlos, den Gesichtern der Band, den Gründern. Schlagzeuger kamen und gingen und es fehlte wohl oft die wirkliche Bandeinheit. Im letzten Sommer kam Daniel Schröteler, ein studierter Musiker aus dem Jazzbereich, dazu, der auch an der Produktion des nächsten Albums beteiligt sein wird. Über den Sommer werden sie auf verschiedenen Festivals auftreten und im Herbst ihre erste eigene große Tour in Deutschland spielen. Das klingt alles sehr vielversprechend, was sicher nicht nur die Eltern der drei freuen wird, sondern sicherlich auch die interessierte Indiegemeinde.

Dass „Involver“ im vergangenen Jahr zuerst in England erschienen ist, das ist das Besondere an der Geschichte von The Rain. Sonst kommen Indie-Bands aus Großbritannien nach Deutschland oder deutsche Bands gehen bei großem Erfolg auf dem wichtigen deutschen Musikmarkt nach England wie die Beatsteaks beispielsweise.

Alles fing mit einem Berlin-Gig im April 2005 an, den das Label Manta Ray aus England verfolgte, im November des gleichen Jahres unterschrieben sie dann einen Vertrag. Ort der Unterzeichnung war der Kölner Dom. Zuerst kam die vielbeachtete und energetische EP „Big Lie“. Und dann ging alles ganz schnell. 2006 gingen sie nach London, spielten dort unzählige Gigs. „Wir haben echt überall gespielt – ob im Bikerschuppen oder im klassischen Indieladen“, erinnert sich Sänger Lorenz.

Für Musiker ist England die beste Schule und ein Indikator: Schaffst du es hier, schaffst du es überall. Und es ist eine harte Schule, das wissen auch Carlos und Lorenz. Das tonangebende Musikmagazin NME machte sich über Lorenz’ deutschen Akzent lustig, bei einem eher mittelmäßigen Konzert bekamen sie BierBecher an den Kopf geworfen. Und bei einem noch schlechteren Gig klatschte kein einziger im Publikum.

„Die Zeit in England hat uns weitergebracht. Musikalisch haben wir uns entwickelt und wir haben natürlich auch über das Geschäft und die Branche einiges gelernt“, sagt Carlos. Und die Branche ist schwierig: Ihr Album war in England kein großer kommerzieller Erfolg, aber immerhin bekam es gute Kritiken.

The Rain blieben anderthalb Jahre auf der Insel, wohnten in dieser Zeit in einem sechs Quadratmeter großen Zimmer in einer kleinen Wohngemeinschaft mitten in London. „Wir haben seit dieser Zeit keine Angst mehr vor einem Lagerkoller auf einer Tour oder im Studio.“

Luxuriöser waren da schon die Bedingungen bei den Aufnahmen von „Involver“. Produziert wurde es von Teo Miller, der auch schon für Blur und Placebo arbeitete. Der Sound des Albums wirkt sehr britisch, die Songs erinnern an Placebo, Muse oder die Manic Street Preachers. Die Band zählt Radiohead, Nirvana und Police zu ihren Einflüssen. Ihr Album wird hierzulande mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Das Musikmagazin „UncleSallys“ wetterte: „’Involver’ ist keinen Hype wert.“

Der Band fehlt die Verspieltheit. Ecken und Kanten, die herausstechen, sucht man vergeblich. Doch auch Gefälligkeit kann gefallen. Und „Big Lie“ als Hit zum Mitsummer tut dem Album eben so gut wie temporeiche Nummern wie „Don’t Hurry“. Aber letztlich klingen sie so wie alle Indies. Und wer alle mag, wird sich auch für The Rain begeistern können. Die Gitarren sind perfekt arrangiert, der Beat ist stets treibend, der Bass gibt alles vor. Durch das 42-minütige Album zieht sich das Thema „Liebe“ wie ein roter Faden. Liebe und Rock – wieder so ein Klischee.

The Rain erfinden nichts neu, geben das aber auch nicht vor. Sie kalkulieren sehr genau und wissen, wie Hits funktionieren. Eingängige Refrains fehlen ebenso wenig wie bahnbrechende Melodien. Viele der neuen „The“-Bands haben ungefähr dieselbe Geschichte zu erzählen, singen über die Liebe, Süchte, das Schmutzige im Leben. Meist klingen sie ähnlich und alle mögen natürlich Nirvana, Radiohead und Blur. Aber sie klingen dabei doch so gut, dass man sich immer gerne die selbe Geschichte noch mal von anderen Jungs anhört. Und auch gerne von The Rain. Sie werden Erfolg haben, weil sie Spaß bereiten. Doch den Pop noch einmal neu erfunden haben sie natürlich nicht. Den Klang kennt und mag man, aber besonders überrascht wird man von diesem Debüt nicht.

Am heutigen Freitag stellen The Rain „Involver“ (Groove Attack) um 21.30 Uhr im nbi in der Kulturbrauerrei vor.

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