The Stranglers : Zynisch und zickig, düster und schnell

Am heutigen Sonnabend, 17. Januar, spielen The Stranglers das einzige Deutschlandkonzert ihrer „Hits“-Tour. Los geht es um 20 Uhr im Columbia Club.

Jan Oberländer
Strangler
Britrock. Sänger und Gitarrist Baz Warne beim Konzert in Berlin.Foto: dpa

Um provokante Sprüche war JJ Burnel noch nie verlegen. „Frauenbewegungen sind okay,“ hat er mal verkündet. „Ist doch super, wenn sich eine Frau unter mir bewegt.“ Haha. Auch heute pflegt der Bassist und Gründer der Band The Stranglers noch das Rüpel-Image, das die gesamt Band über weite Strecken ihrer 1974 im südenglischen Guildford begonnenen Karriere begleitete.

"I beat the shit out of this guy"

Bei einem Konzert 1983 in der Hamburger Markthalle, so erzählt Burnel bei einem Telefonat von seiner Londoner Wohnung aus, sei er aus dem Publikum heraus angespuckt worden. Sofort habe er den Bass abgenommen. Der mittlerweile 56-jährige Burnel war schon damals Kampfsportfreak, mittlerweile trainiert er die britische Nationalmannschaft im Shidokan-Karate-Kickboxen. „I beat the shit out of this guy,“ sagt er und lacht ein raues Lachen. Nicht unsympathisch, sehr macho, ein bisschen gelangweilt.

Mittlerweile sind die Auftritte der Band nicht mehr gewalttätig, dafür aber größer als je zuvor. Ihre letzte Tournee sei die größte seit 25 Jahren gewesen, sagt Burnel stolz. Sie begann in Dubai, vor 3000 indischen und philippinischen Arbeitern, die dort den größten Vergnügungspark der Welt aufbauen. Als Arbeiterband sieht er die Stranglers aber nicht. „Wir sind eine Band für alle. Sogar für Kinder!" Naja, vielleicht aber doch vor allem für „middle-aged guys“. Wie sie selbst.

Am heutigen Sonnabend spielen die Stranglers das einzige Deutschlandkonzert ihrer „Hits“-Tour. Beginn ist um 20 Uhr im Columbia Club am Flughafen Tempelhof, Karten kosten rund 30 Euro. Nach einigen Umbesetzungen sind von der Urformation noch Burnel, Schlagzeuger Jet Black und Keyboarder Dave Greenfield in der Band. Seit dem 2006 bei EMI erschienenen neuesten Album „Suite XVI“ ist außerdem der langjährige Tourgitarrist und Sänger Baz Warne offizielles Mitglied.

Für Punk waren die Stranglers zu alt

Was Burnel sich für das Berliner Konzert wünscht? „Wir wollen die Leute daran erinnern, was uns ausmacht. In Deutschland werden wir ja eher als Pop-Band wahrgenommen." Die Stranglers waren aber zumindest am Anfang eine tolle New-Wave-Band, zynisch und zickig, düster und schnell. Songs wie „Sweden“ oder „Nice and Sleazy“ müssen Fans von The Clash, New Model Army oder auch Fehlfarben durchaus in Ohr und Bein gehen. Für Punk waren die Stranglers zu alt, vielleicht auch zu ambitioniert. „Wir haben immer gern experimentiert,“ sagt Burnel. Herausgekommen sind Spinett-Gedudel („Golden Brown“), Walzernummern, Radiopop, Jazz – aber immer wieder auch flotte Indie-Kracher.

2009 feiert die Band ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum. Burnel ist das ziemlich wurscht: „Jedes Jahr ist besonders.“ Zumindest ein neues, siebzehntes Album ist in Arbeit. Burnel war kürzlich in Japan. „Es war sehr langweilig dort, ich saß auf einem Berg, in einer Holzhütte. Außerdem hat es geregnet – also habe ich Songs geschrieben. Ich kann ja nicht die ganze Zeit Karate trainieren.“

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