Tour-Auftakt : Genesis sind zurück

Der Himmel war trüb - die Stimmung dennoch bestens: Rund 46.000 Zuschauer haben in Hamburg das Comeback der britischen Rockband Genesis gefeiert.

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Mike Rutherford und Phil Collins: Genesis rocken wieder. -Foto: dpa

HamburgSeit 15 Jahren waren sie nicht mehr gemeinsam auf Tournee. Trotzdem haben Phil Collins, Mike Rutherford und Tony Banks alias Genesis nichts verlernt: Die britische Rockband meldete sich am Freitagabend mit einem fulminanten, fast dreistündigen Auftritt vor 46.000 Zuschauern in Hamburg auf Deutschlands Konzertbühnen zurück.

Nur vier Tage nach dem bejubelten Tour-Auftakt in Helsinki präsentierte sich das Trio erstmals seit 1992 wieder seinen deutschen Fans. Ohne Vorgruppe startete Genesis kurz nach 20 Uhr eine abwechslungsreiche Reise durch die 40-jährige Bandgeschichte. Auffällig dabei: Die leicht ergrauten Musiker in den Mittfünfzigern setzten nicht auf eine seichte, gefällige Show. Stattdessen dominierten im Stadion am Hamburger Volkspark harte Gitarrentöne, kreischende Synthesizer und ein brillantes Schlagzeug. Und auch Collins überraschte. Wer den Schmusesänger suchte, fand einen Rockstar mit Dreitagebart und schneidender Stimme. Wer den Spaßmacher suchte, fand einen gereiften Unterhalter mit viel Selbstironie.

Peter Gabriel ließ sich nicht überreden

Auf der Tour in ihre musikalische Vergangenheit ließen sich die Drei, unterstützt von den langjährigen Gefährten Chester Thompson und Daryl Stuermer am Schlagzeug und an der Gitarre, nicht hetzen. Die Setlist umfasste fast alle wichtigen Stationen ihrer Karriere: wahre Rocksongs aus frühen Siebzigern wie "The Carpet Crawlers", Hymnen wie "Mama" aus den Achtzigern und Poppiges aus dem vergangenen Jahrzehnt wie "No Son Of Mine". Nur die Anfangsjahre unter Peter Gabriel fanden kaum Niederschlag in dem Auftritt. Ihren ehemaligen Frontmann konnten die britischen Rocker nicht zu einer gemeinsamen Revival-Tour bewegen. Stattdessen tourt Gabriel gerade als Solist durch Deutschland.

Auch lange, facettenreiche Titel wie "Home By The Sea" spielte Genesis genüsslich aus, und die Musiker ließen sich dabei immer mal wieder in meditative Instrumentalphasen fallen. Collins, der als Schlagzeuger bei Genesis angefangen hatte, ziehen die Drums noch immer magisch an. Gemeinsam mit Chester Thompson legte er atemberaubende Trommelwirbel hin. Für frühe Genesis-Fans vermutlich ein Fest - für Liebhaber der eingängigen Stücke eine Geduldsprobe, die erst nach rund zweieinhalb Stunden mit "Tonight, Tonight, Tonight", "Invisible Touch" und "I Can't Dance" belohnt wurde.

"Alte" Musik in neuem Gewand

Zu der musikalischen Höchstleistung auf einer Bühne, die mindestens so hoch war wie ein fünfstöckiges Haus, passte die ausgeklügelte Lichtshow. Psychedelische Muster, 3D-Bilder, Lichtblitze und Video-Effekte - die Musik war bis zu 40 Jahre alt, die Technik auf dem neusten Stand.

Mit ihrem gelungenen Auftakt zur Deutschland-Tournee, die durch sieben weitere Städte führt, hat Genesis eindrucksvoll belegt, warum die Band einen festen Platz in der Musikgeschichte hat - und wie in Hamburg noch immer problemlos die größten Stadien restlos füllt.

Weitere geplante Auftritte in Deutschland: Hannover (23.6.), Düsseldorf (26./27..6.), Stuttgart (28.6.), Berlin (3.7.), Leipzig, (4.7.), Frankfurt (5.7.) und München (10.7.). (Von Marco Mierke, dpa)

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