Türkpop in Berlin: DJ Ipek : Kein bisschen Immigranten-Blues

DJ Ipek hat allen Grund zur guten Laune: Kritiker und das Publikum sind hellauf begeistert und so gilt sie als hippster DJ Europas

Felix Denk
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Am Pult der Zeit. DJ Ipek.Foto: Nicolas Tchegloff

Hier liegen sich Türken und Deutsche, Schwule und Lesben, ja „alle Geschöpfe dieser Welt“, wie Ipek sagt, beim traditionellen türkischen Kreistanz Halay in den Armen und bewegen sich im Takt anatolischer Volkslieder, die Ipek in ihre extrem vielseitigen DJ-Sets einfließen lässt. „Eklektik Berlinistan“ nennt sie ihren wilden Stilmix. Soll heißen: „Ich spiele nicht nur Türkenmucke, sondern alles von Minimal, House und Elektro bis zu traditionellen Volksliedern vom Balkan, kurdischen Protestliedern oder Bauchtanznummern.“

Seit elf Jahren verschmilzt Ipek bei Gayhane im SO 36 Musikstile und verbindet damit Kulturen auf der Tanzfläche. Ein Geheimtipp ist sie nicht mehr. Von New York bis Peking hat sie schon aufgelegt, ihre exzellente Kennerschaft türkischer Musik bewies sie auch auf Trikont, dem Münchner Fachlabel für horizonterweiternde Platten.

Der Pop kennt keine Parallelgesellschaft

Dort hat sie zwei Compilations herausgebracht: „Import Export a la Turka“ versammelt deutsch-türkische Musik, die von einem Immigranten-Blues meilenweit entfernt ist und die bleischwere Integrationsdebatte ganz federleicht klingen lässt. Der Pop kennt keine Parallelgesellschaft. „Beyond Istanbul“ zeigt unbekannte Seiten der türkischen Musikszene von Baba Zulas jazzigem Neo-Psychedelic bis zu Ayhan Sicimoglus panaribisch-polyglottem Arabesk-Reggaeton. Für diesen Sampler wurde Ipek mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Doch auch als „hipster DJ Europas“ kennt Ipek Momente des Lampenfiebers. „Wenn ich in Istanbul auftrete, bin ich schon sehr aufgeregt. Wenn ich da als Deutschtürkin zwischendrin mal traditionelle orientalische Musik spiele, weiß ich nie, wie die Leute darauf reagieren.“ Manchmal quietschen die Scharniere zwischen den Kulturen eben. Aber aus solchen Störgeräuschen hat DJ Ipek noch immer einen satten Groove gebaut. Felix Denk

DJ Ipek spielt am Donnerstag im Festsaal Kreuzberg, Skalitzer Straße 130. Vorher wird der Sammelband „Unser Istanbul“ mit einer Lesung vorgestellt. Einlass ist ab 20.30 Uhr.

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