• Vorstellung in Berlin: Der Star als Fan: Grönemeyer bringt das Gesamtwerk der Krautrockband Neu! heraus

Vorstellung in Berlin : Der Star als Fan: Grönemeyer bringt das Gesamtwerk der Krautrockband Neu! heraus

Auf seinem Musiklabel Grönland veröffentlicht Herbert Grönemeyer eine Box mit dem Gesamtwerk der legendären Krautrockband Neu!.

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Grönemeyer
Herbert Grönemeyer.Foto: picture-alliance

Der Label-Chef werde auch ein paar Worte sagen, hieß es zu Beginn des Abends. Was bei solchen PR-Events oft wie eine Drohung klingt, versprach in diesem Fall Spannendes. Denn beim Grönland-Label bringt der Star selbst die Platten heraus: Herbert Grönemeyer - nicht die eigenen, sondern das, was ihm gefällt und was er für unterstützenswert hält.

Und um Platten, gute alte Vinylplatten, geht es in diesem Fall wirklich: Im Mai erscheint eine luxuriöse Box mit dem Gesamtwerk der Krautrockband Neu!, auf die sich amerikanische und britische Künstler wie Sonic Youth, Primal Scream oder die Red Hot Chili Peppers mit Begeisterung berufen.

"Dass sie sich mit einem Mainstream-Fuzzi wie mir überhaupt abgegeben haben, konnte ich nicht erwarten", sagt Grönemeyer über die Zusammenarbeit mit Neu!. Und es klingt kein bisschen kokett. Dies ist die Rede eines echten Fans, vorgetragen mit Glanz in den Augen und Stolz in der Stimme. "Ich bin ja auch irgendwie Musiker."

We Are Happy Family
We Are Happy FamilyFoto: Peter Lindbergh

Das Verständnis des Künstlers für die kreative Arbeit war nach Auskunft des Neu!-Gitarristen Michael Rother auch schon ausschlaggebend dafür gewesen, dass er und der inzwischen verstorbene Schlagzeuger Klaus Dinger zum Jahrtausendwechsel bei Grönland die CD-Versionen ihrer drei LPs aus den Siebzigerjahren veröffentlicht hatten.

Mit der Box kommt nun das geheimnisumwitterte vierte Album des Duos heraus. Die Arbeit daran hatten Dinger und Rother in den Achtzigerjahren abgebrochen. Die beiden trennten sich im Streit und fanden danach nie mehr zu ihrer überaus kreativen, aber immer schon spannungsreichen Zusammenarbeit zurück. "Klaus war der Berserker, Michael ist der Ruhigere, Ausgeglichenere", sagt Grönemeyer.

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Neu! 1972. Michael Rother (links) und Klaus Dinger.Foto: Thomas Dinger/Neu!

Die bereits fertiggestellten Aufnahmebänder hatten Rother und Dinger damals unter sich aufgeteilt. Sehr zum Ärger Rothers hatte Dinger aus seinem Anteil der Bänder dann etwas veröffentlicht. Zwei Jahre nach Dingers Tod nun haben sich Dingers Erben mit Rother auf eine Neubearbeitung des Materials und das endgültige Erscheinen des Albums "Neu! '86" geeinigt.

Michael Rother und Klaus Dinger seien "kratzbürstige Perfektionisten" und  "radikale Romantiker", sagt Herbert Grönemeyer. Ihre Kompromisslosigkeit und Hingabe habe ihn beeindruckt. "In der Musik habe ich das sonst so nicht kennen gelernt. Eher am Theater", erzählt Grönemeyer, der ja selbst auch Schauspieler ist.

Das Projekt wurde am passenden Ort vorgestellt. Seine "Neu!-Bar" in Prenzlauer Berg hat Alex Konuk, bekannt auch durch die 8mm-Bar, nach seiner Lieblingsband benannt. Dass Konuk Amerikaner ist und Neu!-Fan, scheint schon ein bisschen typisch. Denn die deutschen Krautrocker gelten im Ausland mehr als in ihrer Heimat. "Allein in New York berufen sich mehr Leute auf uns als in ganz Deutschland", sagt Michael Rother.

Das legendäre Logo.
Das legendäre Logo.Foto: promo

Und was kommt jetzt, nachdem das Gesamtwerk raus ist? "Ich will so richtig loslegen", sagt Rother. Und zwar live. Und zwar mit prominenter Unterstützung aus einer von Neu! stark beeinflussten Musikergeneration: Unter anderen wird Steve Shelley, der Schlagzeuger von Sonic Youth, mit Rother auf Tour gehen.

Unter welchem Namen firmiert das neue Projekt?  "Vielleicht: Michael Rother and friends play the music of Neu!", sagt der Gitarrist. Oder: "Hallogallo 2010", angelehnt an den Titel eines dieser typischen Neu!-Stücke: minimalistisch, dynamisch, hypnotisch - und selten kürzer als zehn Minuten, in denen sich der Zuhörer wünscht, dass es noch Stunden so weitergeht. Auch auf "Neu! '86" findet sich mit "Drive (Grundfunken)" ein schönes, wenn auch etwas kürzeres Exemplar (eine umfassende Besprechung der Neu!-Box folgt).

Und wie fand Rother die Rede Grönemeyers? "Ich hätte ihn am liebsten umarmt" - aber für so eine öffentliche Geste war er dann doch zu zurückhaltend. Wie war das noch mit den "radikalen Romantikern" und den "kratzbürstigen Prerfektionisten"? "Man muss ja nicht immer alles dementieren", sagt Rother und lächelt.

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