Young Euro Classics : Beam me up!

Besuch aus Schottland bei der Konzertreihe Young Euro Classic.

Frederik Hanssen

BerlinWenn ein reifer Herr im Schottenrock die Bühne betritt und mit charmantem Akzent davon erzählt, dass seine Landsleute dank einer angeborenen Vorliebe für den Beruf des Ingenieurs eigentlich überall zu finden seien – man denke nur an Scotty vom Raumschiff Enterprise! –, dann macht das gute Stimmung im Konzerthaus. Und wenn der Dirigent Christoph Mueller in seinem nicht minder entzückenden Schweizerdeutsch anschließend Erläuterungen zum jüngsten Opus eben jenes berockten Inselbewohners John Maxwell Geddes gibt, dann wird man richtig neugierig auf „Gemini“, die „Zwillinge“, mit denen das National Youth Orchestra of Scotland seinen Young-Euro-Classic-Auftritt eröffnet. Leider entpuppt sich der Zwanzigminüter als technisch ungeheuer aufwendige Odyssee in den Klangraum, bei der man als Zuhörer allerdings so orientierungslos bleibt wie ein Astronaut, der auf eine intergalaktische Nebelwand starrt.

In einer anderen Galaxie scheint auch Paul Silverthorne zu leben, der als Solist in William Waltons Violakonzert ganz bei sich und ganz weit weg ist, während das 120-köpfige Ensemble immer wieder mächtig aufdreht und dabei einen tollen vollen Klang hören lässt, der neugierig macht auf Edward Elgars „Enigma“-Variationen. Und in der Tat hat Christoph Müller die jungen Schotten bestens vorbereitet auf das 1899 entstandene klingende Sonntagsrätsel, bei dem der Komponist 14 Freunde in musikalischen Miniaturen verewigt hat: Wie ein viktorianischer Sehnsuchtsseufzer blüht das Thema auf, dann folgt, unter dem Ganzkörpereinsatz des Dirigenten, das Defilée der Charakterbilder, mit großer Konzentration tiefenscharf und klangschön nachgezeichnet von den zwölf- bis einundzwanzigjährigen Kids. Excellent!

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