Kultur : Popcorn-Eimer

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gesehen bei Herbert Grönemeyer

Die Premierengesellschaft mit der Versandhausfamilie Otto an der Spitze champagnerte sich am Sonntag ins Kino und nahm die für sie reservierten und mit dicken Kordeln abgezirkelten Sitzplätze ein, als kurz vor Filmbeginn Herbert Grönemeyer mit dem Cineasten-Requisit schlechthin im VIP-Bereich erschien: dem Popcorn-Eimer. Nun gilt es nicht nur bei der Premiere des Dokumentarfilms „Absolute Wilson“ als Sakrileg, mit Popcorn aufzutauchen. Das ist generell so bei den Vorstellungen der Berlinale. Alte Festivalhasen und puritanische Cineasten weinen noch heute den Zeiten hinterher, als das Festival sein Zentrum nicht im Mekka des Berliner Popcorn-Kinos, dem Potsdamer Platz, sondern am Kurfürstendamm hatte. Da gab es Popcorn-Eimer einfach nicht. Und niemand wäre auf die Idee gekommen, bei der Film–Diskussion im Delphi mit einer Chips-Tüte zu rascheln oder die doch etwas langen Einstellungen bei „Tod dem Zuschauer“ mit dem Futtern von Popcorn kurzweiliger zu gestalten.

Aber jetzt ist alles anders und mit Grönemeyers Tabubruch wird der Popcorneimer noch öfter zu sehen sein. Nicht genug, dass die aufgeplatzten Maiskörner ihren künstlich-muffigen Geruch in den Foyers von Cinemaxx und Cinestar verbreiten, bald ist sicherlich Popcorn auch im Berlinale-Palast erhältlich. Das wäre konsequent. Im Mutterland des Kommerz-Kinos, den USA, galt Popcorn nämlich als Statussymbol – schon lange bevor es Kinos gab.Die Ureinwohner konsumierten es nicht nur, sie verwendeten es auch als Schmuck. Archäologen sollen mindestens 4000 Jahre alte Puffmaiskörner gefunden haben. Nicht auszuschließen, dass Popcorn schon weitaus früher Bestandteil des indianischen Speiseplans war. Und gesund ist es auch - in gewissem Sinne: Popcorn ist ballaststoffreich und enthält Vitamin B1 und B2 sowie Kalium. oew

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