POPGwen Stefani : Jodlerin will auf den Thron

Jörg W,er

Wer bei den Neptunes eine Songproduktion in Auftrag gibt, sollte auf Überraschungen gefasst sein. Gwen Stefani sowieso, schließlich hatten Pharrell Williams und Chad Hugo schon bei der letzten Platte von Stefanis alter Band No Doubt mitgemischt und vor allem den minimalistischen Stomper „Hollaback Girl“ für ihr überaus erfolgreiches Solo-Debüt gemastert. „Wind it up“, die erste Single aus Gwen Stefanis im Dezember 2006 veröffentlichtem, zweitem Soloalbum „The Sweet Escape“ ist aber selbst für Neptunes-Verhältnisse ziemlich schräg: Verquere Synthiebässe und die typisch synkopierten Neptunes- Beats treffen auf ein alpin tönendes Streichersample aus einem Sixties-Musical, und: „Yoo-lediho-lediho-loo“ – Stefani jodelt!

„The Sweet Escape“ blieb in den Verkaufszahlen weit hinter dem Vorgänger zurück, mit dem sich Gwen Stefani vor drei Jahren als kunstplatinblonde Sexbombe aussichtsreich als Anwärterin auf den Thron der damals schwächelnden Madonna positioniert hatte. Nicht nur konnte die Altmeisterin inzwischen mit „Confessions on a Dancefloor“ eine großartige Replik an alle Herausforderinnen verschicken, letztlich schwächelt Stefanis zweites Soloalbum auch unentschlossen zwischen futuristischen, manchmal substanzarmen R’n’B-Tracks und eher auf den Rockmarkt schielenden Songs. Doch durchschnittliche Platten haben auch No Doubt nicht von der Erfolgsspur abgebracht. So sollte auch Gwen Stefanis Platz im Rampenlicht ungefährdet bleiben, zumal sie bei ihrem Berlin-Gastspiel mit dem für Superstars üblichen Aufwand wohl keine Zweifel an der Qualität ihrer Songs aufkommen lassen wird. Jörg Wunder

Velodrom, Fr 14.9.,

20 Uhr, ab 56 €

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