POPJan Delay & Disko No. 1 : Wir machen das klar

Jörg W,er

„Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran“ Jan Delay lässt im Intro seines im Sommer 2006 erschienenen zweiten Soloalbums „Mercedes-Dance“ keinen Zweifel daran, dass es einen neuen Abschnitt seiner Karriere einläutet. Aus der Streetwear tragenden B-Boy-Larve, die mit den Intelligenzrappern Absolute Beginner für Furore sorgte, schlüpft nach der Verpuppung als gelehriger Roots-Reggae- und Dancehall-Jünger auf dem Solodebüt „Searching for the Jan Soul Rebels“ ein rasiermesserscharf gestylter Funk-Falter.

Und nicht nur das neue Outfit steht dem hanseatischen Lästermaul ausgezeichnet. Mit seiner Begleitband Disko No. 1 bringt Jan Phillip Eißfeldt kommerziell höchst erfolgreich die Verhältnisse zum Tanzen. Das zehnköpfige Ensemble lässt sich uneigennützig an der kurzen Leine führen. Im Stil der großen Seventies-Funkbands stellt es seine instrumentale und stimmliche Wucht gänzlich in den Dienst der scharf konturierten, schweißtreibend groovenden Songs. Delay wiederum gibt als selbstironisch herrischer Bandleader den Westentaschen-James-Brown, der den Soundorkan von hinten hörbar genießt und dabei zu nölig-näselnder Höchstform aufläuft. So lässt er die Selbstbezogenheit der deutschen HipHop-Szene (die man mit Dendemann in der Hamburger und mit Die Firma in der Kölner Spielart einen Tag vor und nach Delay in Berlin erleben kann) elegant hinter sich, ohne dass ihn irgendjemand dafür dissen müsste. Denn wer auf dem hochoffiziellen Live-Earth-Konzert als einziger die bigotte Umweltpolitik des Hamburger Senats geißelt, kann schon mal kein Schlechter sein. Jan Delay ist so groß mit Hut. Jörg Wunder

Columbiahalle, Sa 15.12., 20 Uhr, ab 28 €AZ833

0 Kommentare

Neuester Kommentar