POPKOMMStars, Menomena, Architecture in Helsinki & Co. : Komplexer Schabernack

Jörg W,er

450 Bands aus 30 Ländern in drei Tagen: Wenn man das mit Superlativen auftrumpfende Konzertprogramm der Popkomm studiert, möchte man sich am liebsten die Bettdecke über den Kopf ziehen. Aber da würde man einiges verpassen. Zum Beispiel den gemeinsamen Labelabend von City Slang und Cooperative Music, der durch ein sensationelles Line-up besticht. Einer konzentrierteren Ansammlung von Talent und Experimentierfreude wird man in diesen Tagen nirgendwo begegnen.

Unsere Coverboys von Menomena aus Portland etwa schwingen sich mit psychedelischen Progpop-Zitaten in zappaeske Komplexitätshöhen auf, ohne ihr Gespür für prägnante Drei-Minuten-Songs zu verleugnen. Die Stars (Foto) hingegen klingen von all den wunderbaren, jungen Freistil-Popbands aus Kanada am britischsten. Aber nicht Kaiser- Chiefs-britisch, sondern Everything-But-The- Girl- britisch, was auch am fluiden Gesangsstil von Amy Millan liegt. Wenn Bandkollege Torquil Campbell zum Mikro greift, erinnert der neuerdings ziemlich breitwandige Edelpop der Stars sogar an Morrissey, der ja auch nicht vor großen Gesten zurückschreckt. Ein paar gute Argumente zur Rehabilitation der französischen Sprache in der Rockmusik liefern ihre Landsleute von Malajube, während sich der hinter Caribou steckende Dan Snaith heillos in eine märchenhafte Sixties-Bubblegum-Beach-Krautrock- Beatles-Parallelwelt verstrickt haben. Ganz besonders toll sind natürlich auch die australischen Architecture In Helsinki mit ihrem kaleidoskopischen, niemals die Füße stillhaltenden Schabernack-Pop. Ein Fest für Freunde kosmopolitischen Spinnertums. Alle anderen dürfen weiterschlafen. Jörg Wunder

Postbahnhof, Do 20.9., 19.30 Uhr, 21 € + VVK

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