Kultur : Porträt eines Supermodels

Vorschau auf die Londoner Auktionswoche

Matthias Thibaut

Einmal mehr ist es ein Gemälde von Max Beckmann, das bei den Londoner Auktionen von „Impressionist & Modern Art“ in der kommenden Woche heraussticht: Die „Dame mit Spiegel“ ist mit 2,5 bis 3,5 Millionen hoch, aber nicht unrealistisch angesetzt. Das 100 mal 75 Zentimeter große Hochformat entstand in den Amsterdamer Exiljahren, in denen sich der Maler vor den Bedrohungen der äußeren Leere des Lebens in die Kunst rettete. Das Bildnis seiner Frau „Quappi“, die sich in die Betrachtung ihres Spiegelbildes versenkt, gehörte seit den fünfziger Jahren einer rheinischen Sammlung.

Sotheby’s bietet eine schmale, aber dichte Sammlung deutscher Malerei des frühen 20. Jahrhunderts an – oft marktfrische Werke und einige davon sogar mit behutsam lockenden Taxen. Denn der Expressionismusmarkt befindet sich in einer Konsolidierungsphase, und Einlieferer und Auktionshäuser operieren vorsichtig: Ein kleines leuchtendes Stillleben von Jawlensky aus dem Jahr 1912 ist mit nur 100000 bis 150000 Pfund bewertet. Auch sein „Kopf einer Italienerin“ von 1910 geht mit 600000bis 800000 Pfund nicht übertrieben hoch geschätzt ins Rennen. Gleich das erste Los, Franz Marcs Hinterglasbild „Zwei große Pferde in Landschaft“ von 1912, ist ein Bild, wie man es nur alle Jubeljahre einmal findet (250000 bis 350000 Pfund). Zu den Attraktionen zählt auch Chaim Soutines Bild eines Konditorgesellen, das bei der Auftaktauktion von Christie’s am 7. Februar zum Aufruf kommt. Der „Pâtissier de Cagnes“ mit weißer Bäckerbluse und rotem Taschentuch fixiert den Betrachter klassenbewusst, mit der melancholischen Verachtung des Proletariers, und dürfte nun, bei einer Schätzung von drei bis vier Millionen Pfund, doch wieder nur im Haus eines Superreichen landen.

Vor allem bei den anschließenden Contemporary-Auktionen erhoffen die Einlieferer angesichts des vor Optimismus sprühenden Marktes reiche Gewinne. Aber es bleibt ungewiss, wie weit sich die fast schon irrational gute Stimmung der Sammler und Spekulanten noch anheizen lässt. Sotheby’s bedient die rege Nachfrage nach Malerei aus Deutschland mit Franz Ackermanns „Evasion VI“ (70000 bis 90000 Pfund) und Daniel Richters „Hoch in Bremen“ (40000 bis 60000 Pfund). Gespannt wartet man auch auf das Schicksal von Supermodel Kate Moss. Ihr mit exzessiver Reklame ins Rennen geschicktes Porträt, erst 2002 von Lucian Freud gemalt, soll dem Erstbesitzer nun 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund einbringen. Echte Freud-Sammler stürzen sich allerdings wohl eher auf den mit 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund geschätzten „Rothaarigen Mann auf dem Stuhl“ aus dem Jahr 1962 – der besten Periode des Malers.

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