Porträt : Hanns Dieter Hüsch

"Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus", das war die Prämisse des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Im Vordergrund seines Schaffens stand die Beobachtung des Alltäglichen.

Mainz/Bonn - Das «schwarze Schaf vom Niederrhein» nannte Hanns Dieter Hüsch sich selbst. Die Provinz, in der der Horizont am nächsten Kirchturm endet, das war stets Quelle der Inspiration für den in Moers geborenen Altmeister des deutschen Kabaretts. In der Nacht zum Dienstag ist Hüsch 80-jährig in seinem Haus bei Köln gestorben, wo er seit einem Schlaganfall Ende 2000 krank und zurückgezogen lebte. Über gut fünf Jahrzehnte hinweg hatte der Mann vom Niederrhein mit seinen mehr als 70 Kabarettprogrammen sein Publikum deutschlandweit begeistert.

«Ich erzähle von mir, meiner Frau, von meinem Gegenüber, von der Welt und meinem Hund, von uns allen, von Euch, von den Alten, den Jungen, den Verlierern und Gewinnern, von den Vorurteilen und den Nachreden...», so beschrieb Hüsch seine Kunst. Dabei nahm er oft den kleinbürgerlichen Mief seiner niederrheinischen Heimat ins Visier, über den er mit «flämischer Uferlosigkeit» und sprachlicher Prägnanz herzog. Hintersinnige Wortspiele waren seine Stärke. Er gehörte dabei zu den leisen Erzählern, zu den in Zeiten der Comedy immer seltener gewordenen Vertretern des literarischen Kabaretts.

Mit sprachlicher Prägnanz wandte sich Hüsch in seinen Programmen immer wieder gegen kleinbürgerliches Spießertum, Rechtsradikalismus und Kriegsgefahr. «Meine thematischen Grundsätze für das Kabarett waren immer «Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus», sagte er rückblickend im Januar 2001. Allerdings stand die Beobachtung des Alltäglichen für den Kabarettisten im Vordergrund.

Unverzichtbares Requisit und gleichsam Markenzeichen seiner Auftritte war die kleine Tischorgel, mit der er seine Texte und Lieder seit Anfang der 70er Jahre begleitete. «Mit seinen sehr einfachen Akkorden konnte er sehr unterhaltsam große philosophische Weltgebäude bauen», sagte der Kabarettist Bruno Jonas.

Ende der 40er Jahre startete Hüsch seine Kabarettkarriere, nachdem er Medizin, Theaterwissenschaften und Literaturgeschichte in Gießen und Mainz studiert hatte - allerdings nie zu Ende. Bereits während seines Studiums schrieb der «ewige Brettl-Student», wie er sich selbst einmal nannte, Gedichte und Chansons, sang in einer Musikband und trat mit dem Universitätskabarett auf. 1956 gründete er in einem Mainzer Keller das Kabarettensemble «arche nova», das er bis 1962 leitete.

Hüsch wurde zu einem der produktivsten und wichtigsten Vertreter des literarischen Kabaretts in Deutschland. Bis zu seiner Krebserkrankung 1998 bewältigte der kabarettistische Einzelgänger rund 200 Vorstellungen pro Jahr. Daneben verfasste er Hörspiele und ein Theaterstück. Den ZDF-Reihen «Väter der Klamotte» und «Dick und Doof» lieh er in den 70er Jahren seine unverwechselbare Synchronstimme.

Der 1925 als Sohn eines preußischen Beamten in Moers geborene Hüsch durchlebte nach eigenem Bekunden eine beinahe unbeschwerte Jugend, wenn da nicht «die Probleme mit seinen Füßen» gewesen wären. Hüsch konnte auf Grund einer erblichen Veranlagung nicht richtig laufen und musste deshalb mehrfach operiert werden. «Ein schweres klinisches Erlebnis, man fühlte sich sehr schnell alleine», erinnerte er sich. In dieser Zeit beginnt Hüsch, erste Texte zu schreiben.

Trotz seiner großen Fangemeinde fühlte sich der leise Erzähler Hüsch nie als Star und blieb dem Tingeln durch die Provinz immer treu. Zwei Mal erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis, zudem wurde er mit der Carl-Zuckmayer-Medaille und dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Seine Heimatstadt Moers verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde.

Wenige Monate nach seiner Krebserkrankung feierte Hüsch sein Comeback im Mainzer Theater «unterhaus». Im November 2000 erlitt er einen Schlaganfall, knapp ein Jahr später stand er zum letzten Mal auf der Bühne. Aus Anlass seines 80. Geburtstages im Mai wurde in Mainz am «Walk of Fame» des Kabaretts ein Stern für den «Mann mit der Orgel» hinzugefügt. (Von Günter Wächter, dpa)

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