Porträt : Katharina Wagner: "Ich bereue nicht, es getan zu haben"

Katharina Wagner leitet die Bayreuther Festspiele, die am Mittwoch mit dem Fliegenden Holländer beginnen. Die Kritik aber hat schon vorher begonnen - und dabei geht es nicht um Musik.

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In Richard Wagners Oper „Der Fliegende Holländer“ besingt ein Steuermann die Elemente: „Ach, lieber Südwind, blas noch mehr!“ Auf den Wind, der ihr jetzt entgegenweht, könnte Katharina Wagner, die mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier die Bayreuther Festspiele leitet, vermutlich verzichten. Der russische Bariton Evgeny Nikitin, der bei der Eröffnung am Mittwoch den Holländer singen sollte, musste seinen Hut nehmen, weil er sich vor 20 Jahren ein Hakenkreuz auf die Brust tätowieren ließ. Eine explosive Angelegenheit, zweifellos. Nicht nur war Hitler einst als „Onkel Wolf“ gern gesehener Gast auf dem Grünen Hügel. Seit einigen Tagen weist auch eine Ausstellung des Historikers Hannes Heer darauf hin, dass die Besetzungspolitik der Festspiele schon lange vor 1933 antisemitisch geprägt war.

Die 34-jährige Katharina Wagner war Wunschmaid ihres Vaters, der die Festspiele 58 Jahre lang leitete, als es um die Nachfolge ging. So setzt sich die dynastische Linie auch in vierter Generation fort. Die Wagners sind Deutschlands Ersatz-Monarchen, auch in Bezug auf die Menge an Klatsch und Tratsch, die sie generieren. Katharina Wagner dürfte gewusst haben, was sie erwartet: „Schätzchen, überleg dir, ob du den Laden übernehmen willst“, habe ihr Vater gesagt, erzählte sie dem „Spiegel“. Die braune Vergangenheit ist in Bayreuth allgegenwärtig, und es reicht schon so etwas vergleichsweise Banales wie ein fast nicht mehr zu erkennendes Tattoo, um sie wieder virulent werden zu lassen. Sie bereue aber nicht, den Posten übernommen zu haben, sagte Katharina Wagner.

Die Entlassung von Nikitin sei „verlogen“, so der für markige Worte bekannte Münchner Staatsopernintendant Nikolaus Bachler. Der Subtext: Bayreuth hat seine Geschichte nie aufgearbeitet, schickt aber einen vielversprechenden Sänger in die Wüste, weil er in seiner Jugend eine Torheit begangen hat. Dirigent Christian Thielemann, seit vielen Jahren Berater der Festspiele, verteidigt die Schwestern hingegen und kritisiert Nikitins Management: „Ein Hakenkreuz geht gar nicht, nicht nur in Bayreuth.“

Es ist nicht der einzige Ärger, den Katharina Wagner am Hals hat. Die Stimmung in der Belegschaft soll schlecht sein, seit sie die Zügel in der Hand hat, die Kartennachfrage ist angeblich zurückgegangen. Immerhin, sie hat erlaubt, dass die Ausstellung von Hannes Heer direkt vor dem Festspielhaus gezeigt wird. Einsicht in den Nachlass ihres Vaters hat sie dem Historiker aber verweigert.

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