Porträt : Neue Baustelle für Lehmann

Ein "Mann der Kultur" geht nie in den Ruhestand. Das gilt natürlich auch und erst recht für Klaus-Dieter Lehmann. Nun steht er an der Spitze des Goethe-Instituts.

Wilfried Mommert[dpa]
Klaus-Dieter Lehmann
Klaus-Dieter Lehmann. -Foto: dpa

Berlin/MünchenNach seinen "Karriere-Etappen" in der deutschen Kulturpolitik vom Leiter der Universitätsbibliothek in Frankfurt am Main über den Generaldirektor der Deutschen Bibliothek in den turbulenten Zeiten der Vereinigung bis zum Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz setzt er gleich nach seinem 68. Geburtstag im kommenden März zum nächsten Karrieresprung an.

Von Jutta Limbach übernimmt er das nicht weniger anspruchsvolle, fordernde Amt des Präsidenten des Goethe-Instituts, das vor neuen Herausforderungen steht. Lehmann ist der gemachte Mann dafür, ein Mann von Format mit hoher Kompetenz für kulturpolitische Zusammenhänge und notfalls auch Verwicklungen. Der stets korrekt gekleidete Kulturfachmann mit diplomatischen Fähigkeiten verbindet pragmatische Sachkenntnis mit dem nötigen Blick über den Tellerrand und kulturpolitischen Zielen, die hartnäckig zu verfolgen auch jetzt seine Leidenschaft bleiben wird. Seine Eloquenz, sein Charme und Charisma werden ihm wieder zu Hilfe kommen.

Traumjob als Herkulesaufgabe

"In Berlin habe ich meinen Traumjob gefunden", meinte der gebürtige Breslauer einmal nicht ohne Befriedigung und Stolz. Ein Traumjob, der in Wahrheit eine Herkulesaufgabe war: Nach der jahrzehntelangen Trennung der beiden Museumslandschaften in Berlin hat er die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die gerade ihren 50. Geburtstag feierte, zur größten deutschen Kultureinrichtung mit ihren 16 Museen und der vereinten Staatsbibliothek gemacht. Fünf Millionen Besucher, die in diesem Jahr in "seinen" Museen erwartet werden, sind für ihn der schönste Lohn.

Dabei ist das Jahrhundertprojekt der Vollendung der Museumsinsel, von Lehmann mit starker Bundeshilfe maßgeblich mit angestoßen, sicherlich die Krönung seines Lebenswerkes. Aber davon wird Lehmann erst sprechen, wenn auch das Stadtschloss als Humboldt-Forum auf dem Berliner Schlossplatz steht und die außereuropäischen Sammlungen seiner Museen beherbergt. Baubeginn ist 2010.

Heikles Terrain

Eine andere "Baustelle" wird Lehmann auch in seinem neuen Amt sicherlich nicht ganz aus den Augen verlieren. Auf dem heiklen Terrain der nach dem Krieg "abgewanderten" Beutekunst nach Russland und Polen hat er das "Bohren dicker Bretter" und damit seine Hoffnungen nie aufgegeben. In beiden Ländern lagern nach seinen Schätzungen heute noch rund 180.000 Werke der Berliner Sammlungen - vom Troja-"Schatz des Priamos" bis zu Mozarts Handschriften. Immer wieder appellierte er zuletzt an die russische Regierung, die Geheimdepots zu öffnen.

Vieles scheint noch Zukunftsmusik. Aber die neuen Herausforderungen beim Goethe-Institut sind es ja auch, und auf solchen Klaviaturen spielt ein "Mann der Kultur" mit politischem Problembewusstsein meisterhaft, erst recht mit einem der Kultur aufgeschlossenen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) als neuem Dienstherrn.

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