Kultur : Porträt: Schwarzer Humor mit spitzer Feder

Der Großmeister des schwarzen Humors mit spitzer Feder ist tot. F. K. Waechter starb in der Nacht zum Freitag.

Frankfurt/Main (16.09.2005, 16:38 Uhr) - Noch 2002 hatte ihm seine Wahlheimat Frankfurt zum 65. Geburtstag eine große Jubiläumsausstellung geschenkt. Doch nun erlag der Satirezeichner, Kinderbuchautor, Stückeschreiber und Regisseur mit nur 67 Jahren einem Lungenkrebsleiden.

«Der Hauptquell für Komik kommt aus dem Leiden, aus Niederlagen», beschrieb Waechter einst seine Arbeit. Nach der Flucht aus seinem Geburtsort Danzig war der kleine Friedrich Karl in norddeutschen Kleinstädten unter Menschen aufgewachsen, die er als autoritär und verlogen empfunden hatte. 1962 zog der Künstler nach Frankfurt, wo er erst für «pardon» und später für andere Satire-Zeitschriften Bilder voller absurder Komik und boshafter Heiterkeit schuf. Zusammen mit sieben Gleichgesinnten hob er auch die Neue Frankfurter Schule aus der Taufe, die bald mit einem höchst hintersinnigen und gnadenlosen Witz von sich reden machte.

In Waechters Karikaturen und Bildergeschichten pinkeln Bäume auf erschreckte Hunde, lecken Eiskugeln zurück und bügeln Frauen Männerhosen, die auch frisch gestärkt noch Beulen werfen. Die häufige Darstellung von Sex erklärte der Vater dreier Söhne mit seinen Erfahrungen in den fünfziger Jahren, die er als «unendlich verlogen» und «unglaublich prüde» empfand. «Man stinkt immer gegen das an, was einen knechtet», bekannte Waechter einst in der Zürcher «Sonntagszeitung». Die antiautoritäre Erziehung, mit der er auch seine Kinder großzog, formulierte der Karikaturist 1970 im «Anti- Struwwelpeter», einem Gegenstück zu Heinrich Hoffmanns berühmten «Struwwelpeter» des 19. Jahrhunderts.

Waechter tanzte stets auf mehreren Hochzeiten. Wenn er keine Lust aufs Zeichnen mehr verspürte, schrieb er, wenn ihm dann nichts mehr einfiel, lockte ihn wieder die Karikatur. «Das ist eine schöne Methode, Kreativkrisen zu vermeiden», erklärte der mit Preisen überhäufte Künstler. In der Arbeit für Erwachsene und Kinder sah er keinen großen Unterschied: Seine Bildergeschichten brillieren oft mit einer oberflächlichen und einer tiefgreifenden Komik zugleich - Jung und Alt können also gleichermaßen ihren Spaß an dieser Doppelbödigkeit haben.

Waechter war fast bis zuletzt schöpferisch tätig: Erst wenige Wochen vor seinem Tod in Frankfurt, als er schon seit mehr als einem Jahr krebskrank war, gab er seine künstlerische Arbeit ganz auf. (Von Jens Albes, dpa)

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