Portrait : Sonne frei Haus

Bauen in Zeiten des Klimawandels: Die Zentrale der Solarfirma Solon in Adlershof.

Falk Jaeger

BerlinDer Bezug der neuen Firmenzentrale kommt zur ungünstigen Zeit. Auch die vor zwölf Jahren gegründete und steil aufgestiegene Firma Solon, erstes börsennotiertes Solarunternehmen in Deutschland, verzeichnet Umsatzrückgänge, weil ihre Zukunftstechnik aufgrund der Finanzierungsengpässe weniger nachgefragt wird. Für den in Kürze erwarteten Aufschwung sieht sich das Unternehmen mit seinen konzernweit 950 Mitarbeitern jedoch gut gerüstet. Die aus Berlin stammenden Firmengründer stehen nach wie vor zur Stadt und haben nun Fabrikation und Verwaltung am neuen Standort im Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof zusammengefasst.

Wie präsentiert sich eine Firma mit ihren Baulichkeiten, die Photovoltaikelemente herstellt? Natürlich mit einem ökologisch und energietechnisch optimierten Gebäude mit ordentlichem Solardach. 230 KW Spitzenleistung hat die Solon AG auf dem umlaufenden Dach installiert, dazu kommen die Versuchsfelder der Entwicklungsabteilung. Wärmedämmung mit Vakuumpaneelen, Dreifachverglasung und das Biogas-Blockheizkraftwerk und ein avanciertes Energiemanagement ermöglichen den CO2-emissionsneutralen Betrieb des Gebäudes.

Es ist einr ambitioniertes Firmengebäude, das den Wandel der Arbeitsverhältnisse konsequent in Architektur umsetzen. Industriearbeitsplätze sind heute sauber wie ein Labor, taghell, freundlich und mit Service- und Sozialräumen, bis hin zum Pausenraum mit Designermöbeln versehen. Die hoch qualifizierten Mitarbeiter werden verwöhnt: Die Büros der Verwaltung sind offen, gläsern, mit Ausblick ins Grüne, sie vermeiden Hierarchien. Casino und Lounges stehen für die Pausen zur Verfügung. Die räumliche Organisation ist auf ein Maximum an Kontaktmöglichkeiten der Mitarbeiter untereinander ausgelegt: gebaute Kommunikation, die Synergien freisetzen soll, mit ungewöhnlich hohen Räumen, Durchblicke und Verbindungswegen. Die begrünten Lichthöfe sind wesentliches Gestaltungselement der Bürolandschaft.

Einigermaßen überrascht trifft der Besucher auf einen veritablen Paternoster. Eigentlich sind die seit 1974 untersagt; als „Umlaufaufzug“ hat ihn der Architekt dennoch genehmigt bekommen.

Der Berliner Heinrich Schulte-Frohlinde, der Solon schon zuvor an den Altbaustandorten betreut hatte und nun die Chance erhielt, seine Ideen in einem 47-Millionen-Neubau zu realisieren, stammt aus einer Architektenfamilie. Bekannt wurde vor allem sein Großonkel Julius, der ab 1936 als Chef der Bauabteilung der Deutschen Arbeits-Front und des Reichsheimstättenamts Karriere machte und nach dem Krieg Leiter des Hochbauamts in Düsseldorf wurde. Von dessen konservativer Baugesinnung ist Heinrich Schulte-Frohlinde jedoch weit entfernt. Er bevorzugt eine moderne, pragmatische Formensprache fern jedem Pathos und auf Distanz zu dem, was in jüngerer Zeit als steinerne berlinische Architektur galt.

Die Idee des Gebäudes war es, Produktion und Verwaltung unter einem gemeinsamen Dach, einem Solardach, zu vereinen. Der westliche Bauteil entlang der Straße Am Studio beherbergt 19 800 Quadratmeter Fabrikhallen und im Obergeschoss die produktionsnahen Büros. Östlich schließt sich der Verwaltungsbau mit 320 Büroarbeitsplätzen an. Gleiche Fassaden und das durchgängige Dach schließen die beiden Teile zu einer architektonischen Einheit zusammen.

Am Südostende senkt sich das Dach dramatisch fast bis auf den Boden. Es ist mit einer saftigen, sorgsam gemähten Wiese bedeckt und von der Photovoltaik umrandet. Treppenhaustürme mit rot rostenden Cortenstahlfassaden durchstoßen das Dach. Die Mitarbeiter können auf die Dachterrassen fahren und dort ihre Pausen verbringen; hübsche Liegestühle stehen bereit, es gibt eine Liegewiese und einen Sandstrand mit Wasserbecken.

Der Solon-Park vor dem Haus an der viel befahrenen Köpenicker Straße ist mit Aushubmaterial erhöht angelegt. Das nicht als Grauwasser für Toilettenspülung und Bewässerung benötigte Regenwasser wird hier in Sickergruben verteilt. Im Park steht auch eine Solartankstelle als Demonstrativanlage. Acht Vectrix Solarroller können während der Arbeitszeit an der Außenmauer angestöpselt und geladen werden. Claus Herrmann vom Berliner Büro hochC Landschaftsarchitektur hat die Dachlandschaft, den Solon-Park vor dem Haus und die Innenhöfe gestaltet. Die fünf Höfe folgen einem Menü seiner Gestaltungsideen: „Himalayabirken auf grüner Wellenlandschaft“, „Schieferschollen mit Brunnentrog und Winterkirschen“ oder „Restaurantgarten mit mediterranem Flair“ lauten etwa die Titel.

So sind Gestaltung und Funktion der Freiflächen intensiv in das ökologische und architektonische Gesamtkonzept des Gebäudes einbezogen, eine nicht alltägliche Symbiose.

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