Posse um Prestigeprojekt : Wowereits Kunsthalle und die Lotto-Million

Ob es reine Formsache war, der Antrag einfach durchgewunken wurde oder noch Argumente ausgetauscht werden mussten, ist nicht bekannt. Das Ergebnis jedenfalls zeigt: Klaus Wowereit bekommt noch immer, was er will, zumindest in der Kunst.

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Dem Lottoantrag über eine Million Euro für die permanente Kunsthalle, mit der sich der Regierende Bürgermeister als Kunstfreund verewigen will, ist bei der Sitzung des Stiftungsrates zugestimmt worden. Überraschen kann dies kaum, denn qua Amt hat Wowereit den Vorsitz des Gremiums inne. Mag er selbst sich sogar der Stimme enthalten haben, weil er zu stark ins Projekt involviert ist; ein Geschmäckle bleibt.

Die Posse um Wowereits Prestigeprojekt geht damit in die nächste Runde. Im Dezember letzten Jahres war die Idee einer permanenten Kunsthalle abgeschmettert worden. Dennoch genehmigte das Abgeordnetenhaus 600 000 Euro als Betriebsmittel, um den Regierenden nicht gänzlich bloßzustellen. Aus diesen Mitteln wurde im Oktober mit einem open call zur „Leistungsschau junger Kunst in Berlin“ zwecks „Bestandsaufnahme“ aufgerufen. Beobachter der Szene staunten nicht schlecht, denn wer sich ein Bild vom Künstlerpotenzial der Stadt machen will, muss sich nur in den Galerien, Kunstvereinen und off-spaces umsehen. Einen Wettbewerb braucht es nicht. In den Wahlkampf passt das Spektakel dafür schon.

Der Clou wird daher die Ausstellung der Beiträge im Sommer 2011 an Wowereits favorisiertem Standort Humboldthafen sein. Der Fuß wäre damit ein Stückchen weiter in die Tür geschoben. Erst die nun genehmigte Lotto-Million ermöglicht allerdings die Errichtung eines Gehäuses auf dem Gelände – sei es in Form von Containern, Zelten oder Booten – und die Präsentation der eingereichten Arbeiten. Wäre die Lottostiftung nicht beigesprungen, hätte man eben Spender suchen müssen, heißt es aus dem Kultursenat. Das klingt kaum realistisch. Mit den Geldern wurde offensichtlich fest gerechnet. Und Wowereit baut weiter an seinem kleinen grand projet, für das zunächst einmal definiert werden müsste, für wen die permanente Kunsthalle eigentlich gedacht ist. Und ob die einstigen Bedürfnisse noch immer existieren, nun, nachdem sich die Verhältnisse im Hamburger Bahnhof und der Berlinischen Galerie verbessert haben. Und ob es nicht sinnvoller wäre, vorhandene Institutionen zu stärken, statt einen weiteren Konkurrenten um die spärlichen Mittel ins Spiel zu bringen. Nicola Kuhn

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