Kultur : Postmodern ist auch vorbei

Bilanz des Architekturmuseums in Frankfurt am Main

Christian Huther

Der „gute“ Ruf, kein Geld zu haben, hilft beim Sammeln. So Ingeborg Flagge vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main bei ihrer Jahresbilanz. Die Sponsorensuche ist zwar schwieriger geworden, seitdem Flagge das Haus im Jahr 2000 übernommen hat. Aber dafür wurden die gesteigerten Aktivitäten und Beiträge zu aktuellen Debatten sowohl von Sponsoren wie vom Kulturdezernenten belohnt. Bis Jahresende sind alle Ausstellungen finanziert. Auch das Publikum strömt zahlreicher ins Haus. Waren es im Jahr 2000 nur 35000 Besucher, so stieg die Zahl auf fast 84 000 Gäste in 2003. Publikumsrenner waren die frühen Entwürfe für das neue World Trade Center in New York und der Brasilianer Oscar Niemeyer.

Doch Flagge sucht die „goldene Mitte“ zwischen Publikum und Wissenschaft. So wurden die Bestände mit mittlerweile 250000 Objekten ergänzt, etwa mit dem Werkarchiv von Rob Krier, der als Protagonist der Postmoderne gilt und 2005 präsentiert wird. Oswald Mathias Ungers, der in den DAM-Altbau einen Neubau integrierte, soll zum 80. Geburtstag 2006 gewürdigt werden. Auch das Museum feiert Geburtstag. „Die Revision der Postmoderne“ will ab Oktober 2004 an die Eröffnung vor zwanzig Jahren unter Gründungsdirektor Heinrich Klotz erinnern. Klotz propagierte eine „Revision der Moderne“. Flagge stellt die Postmoderne auf den Prüfstand und konfrontiert sie mit Bauten von Chipperfield oder Libeskind.

Die erste große Schau dieses Jahres beginnt am 21. Februar mit dem internationalen Architektenwettbewerb für den Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Unter den 80 Teilnehmern werden die kurz zuvor gekürten drei Preisträger besonders vorgestellt. Lukrativ für das breite Publikum dürfte die zusammen mit dem Filmmuseum veranstaltete Schau über den Regisseur Stanley Kubrick ab 31. März werden.

Eine glückliche Hand bewies Flagge auch mit dem von ihr initiierten „Internationalen Hochhaus-Preis“. Er ist mit 50 000 Euro dotiert und wird erstmals am 11. Juni verliehen. Erstaunlicherweise kam bisher niemand auf die Idee, einen solchen Preis auszuschreiben.

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