POSTPUNK-LEGENDENFehlfarben : Anders geblieben

Jörg W,er

Das Imperium schlägt zurück: Mit „Handbuch für die Welt“ haben die Fehlfarben, Düsseldorfer Postpunk-Legende und vielleicht einflussreichste deutschsprachige Popband, eine Comeback-nach- dem-Comeback-Platte aufgenommen, die endlich alle Versprechen einer verklärten Vergangenheit einlöst. Vor fünf Jahren kamen sie für „Knietief im Dispo“ erstmals seit dem 1980er-Debüt „Monarchie und Alltag“ in fast kompletter Originalbesetzung zusammen. Doch das Album geriet zum etwas ungelenken Versuch, ihren Status als Sprachrohr einer Generation wiederzubeleben. Das Problem war, dass die alten Fans sich in alle Winde zerstreut hatten und die Jungen die Fehlfarben nur als nostalgische Urahnen ihrer eigenen Helden kannten.

„Handbuch für die Welt“ besitzt dagegen eine zeitlose Qualität, die die Platte 2007 hochaktuell klingen lässt, obwohl sie auch vor 25 Jahren einen vorzüglichen Nachfolger von „Monarchie und Alltag“ abgegeben hätte. In den besten Songs wie dem Titelstück, der unnachgiebigen Hymne „Anders geblieben“ oder dem bohrenden „Politdisko“ findet Sänger Peter Hein, der durch die Wegrationalisierung seines Bürojobs zum zweiten Karriereanlauf genötigt wurde, seine wütend-kraftvolle Phrasierung wieder. Dazu rockt der Rest der Band mit gewohnt kantigem Gitarrencharisma, während die dynamische Schlagzeugerin Saskia von Klitzing jeden Verdacht zerstreut, hier sei eine Altherrenriege am Werk. Wie wichtig die Fehlfarben für den Popdiskurs in Deutschland immer noch sind, konnte man vor kurzem in der Volksbühne begutachten. Dort stellten Tocotronic ihre neue Platte „Kapitulation“ vor, mit der die Hamburger zu den besten Fehlfarben ihrer Generation avancieren. Eine größeres Kompliment ist kaum denkbar. Jörg Wunder

Admiralspalast, Fr 8.6., 20 Uhr, 24 € DK752

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