Kultur : Potzblitz!

Die Band Oi Va Voi bei den Jüdischen Kulturtagen.

von

Weltmusik steht oft im Verdacht, nicht mehr als eine Aneinanderreihung folkloristischer Plattitüde zu sein. Von diesem Verdacht kann man die Londoner Band Oi Va Voi (jiddisch für Herrjemine oder Potzblitz!), die am Samstag im Rahmen der Jüdischen Kulturtage auftrat, schnell freisprechen. Unverkrampft und leidenschaftlich ist die Mixtur aus Rock, Electro, arabischer und osteuropäischer Volksmusik, die die siebenköpfige Band vor der märchenhaften Kulisse der fast voll besetzten Synagoge Rykestraße darbietet.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht eindeutig Leadsängerin Bridgette Amofah im Glitzer-Minirock, deren Soulstimme nicht nur genügend Gewicht besitzt, um gegen die instrumentale Fülle ihrer Mitspieler zu bestehen, sondern die der Musik erst Fokus verleiht. Zum anderen ist Amofah aber auch zu sehr Soulsängerin, als dass man ihr die Intonation von Klezmer und Balkanmusik wirklich abnehmen würde. Sie und Sänger/Klarinettist Steve Levi ergeben ein seltsames, aber sympathisches Paar: Während Amofah auf der einen Seite in Ekstase schmachtet, schmettert Levi auf der anderen mit der ausladenden Gestik eines arabischen Popstars. Trotz ihres modernen Sounds ist das typische Klagen arabischer Melodien stets im Klangbild Oi Va Vois präsent, phasenweise könnte die Musik aber genauso in einen Sergio-Leone- Western passen.

Spätestens nach dem dritten Song haben Oi Va Voi die über 400 Zuhörer gepackt, richtig brodelt die Stimmung jedoch erst bei den letzten Songs des Konzerts, bei denen die Band eine enorme Spielfreude entwickelt. Es fehlt nicht viel, und der ganze Saal tanzt – die Bestuhlung verhindert das allerdings. Erik Wenk

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben