Kultur : Präzise Spiele

KAMMERMUSIK

Tobias Lehmkuhl

Am Samstag noch gab Lars Vogt ein umjubeltes Lutoslavski-Konzert in der Philharmonie , am Sonntag bereits hörte man ihn in ganz anderem Kontext im Kammermusiksaal. Brahms, Bartók und Ligeti standen hier auf dem Programm. Ersterer bot mit seinen beiden Trios für Klavier, Klarinette und Violoncello respektive Horn und Violine den Rahmen des Konzerts. Bei Ligetis Horn-Trio und Bartóks Klarinetten-Trio konnte also, wer wollte, nach Bezügen zu Brahms suchen. Kompositorisch aber gibt es wenig Gemeinsamkeiten, auch thematisch finden sich kaum Berührungspunkte. Folglich betrachteten die Musiker die Stücke als kammermusikalische Herausforderung, leuchteten ihr klangliches Potential aus und legten den Akzent auf das Zusammenspiel.

Vogt, derzeit „pianist in residence“ bei den Philharmonikern, zeigte, dass auch die eher seltenen Besetzungen die gesamte Spanne kammermusikalischer Musikalität abdecken können. Und gerade in den Brahms-Stücken erwies sich, dass schnörkellose Präzision und helle Spielfreude kein Gegensatz sein müssen. Was hier noch beschwingt-vergnügt erklang, fand bei Bartók dann rasanten Ausdruck. Dessen Klarinetten–Trio riss die Musiker fast von ihren Stühlen, dem Publikum tanzten die Füße davon. Nicht anders im dritten Satz von Ligetis Horn-Trio. Hier waren es vor allem Vogts durchdringende Bass-Linie und das makellose Geigenspiel Guy Braunsteins, was aus Ligetis „provokativ-konservativer“ Komposition ein Stück voll Strahlkraft und Groove werden ließ. Beeindruckend, wie aufmerksam und anfeuernd sich Streicher, Bläser und Klavier zueinander verhielten – hoffentlich bald wieder so zu hören.

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