Preisvergabe : Das Domino-Prinzip

Der Preis der Nationalgalerie für junge Kunst wird zum vierten Mal vergeben. Mit einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof stellen sich die vier Nominierten vor.

Christina Tilmann

BerlinOb man der Spur der Steine folgt oder dem Klang der Schritte? Lust auf einen Generationendialog oder eher auf interaktive Performancekunst? Am 27. September wird entschieden, wer den diesjährigen Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst erhält – und es wird spannend. Kein Weltstar wie Olafur Eliasson oder Daniel Richter ist diesmal unter den vier Kandidaten, die die erste Jury, bestehend aus Ulrike Groos von der Kunsthalle Düsseldorf, Yilmaz Dziewior vom Kunstverein Hamburg und Jens Hoffmann vom Institute of Contemporary Art London, ausgewählt hat. Zwar kennt man sie in Kunstvereinen oder von Biennale-Besuchen. Doch der Öffentlichkeit dürften Damián Ortega, Ceal Floyer, Jeanne Faust und Tino Sehgal nicht unbedingt ein Begriff sein: ein gutes Zeichen.

Nun werden sie vorgestellt: Ab heute stehen die vier nominierten Arbeiten in den Rieck-Hallen des Hamburger Bahnhofs öffentlich zur Debatte. Filmkunst und Minimalismus, eine nostalgische Diashow und eine Performance: spröde, avantgardistisch, konzeptionell präsentiert sich die junge Kunst in Berlin 2007. Keine klassische Malerposition, keine eigentliche Skulptur ist dabei, dafür aber intelligente Auseinandersetzungen mit dem Ort und seiner Geschichte.

Als der Preis der Nationalgalerie für Junge Kunst 2000 auf Anregung des Berliner Kunstsammlers Rolf Hoffmann vom Verein der Freunde der Nationalgalerie geschaffen wurde, ging es darum, in Berlin ein Signal für die Gegenwartskunst zu setzen: mit einer Dotierung, die mit 50 000 Euro hoch genug ist, ihn in der Kunstwelt bekannt zu machen. Am britischen Turner-Preis orientiert, wollte auch der Berliner Preis trotz des sperrigen Namens von Anfang an auftrumpfen. Und nachdem sich die komplizierten Nominierungsmodalitäten von Longlist und Shortlist samt dazugehörigen Jurys bis zur vierten Preisverleihung von Mal zu Mal verfeinert und perfektioniert haben, hat die Auszeichnung in diesem Jahr in der Tat ein eigenes Profil gefunden.

Es gilt, einen in Berlin lebenden, international agierenden Künstler unter 40 auszuzeichnen. In der Vergangenheit wurden mit Dirk Skreber, Elmgreen & Dragset und Monica Bonvicini nicht immer die Topstars gekürt. Dabei wünschte man sich einige der eigens geschaffenen Arbeiten wie etwa Tacita Deans „Das grüne Leuchten“ in der ständigen Sammlung des Hamburger Bahnhofs. Allein, der Deal, demzufolge die Hälfte des Preisgelds zum Erwerb einer kleineren Preisträger-Arbeit verwendet wird, verhindert den Ankauf von Größerem: 25 000 Euro genügen nie für den Erwerb etwa des preisgekrönten Werks. Hier wäre noch Nachbesserungsbedarf.

Die Entscheidung am 27. September fällt eine zweite Jury, bestehend aus Lynne Cooke vom DIA Center New York, dem Kunstsammler Christian Boros, Charles Esche, dem Leiter des Abbemuseums in Eindhoven, Gabriele Knapstein, Kuratorin am Hamburger Bahnhof und Angela Schneider, der stellvertretenden Direktorin der Nationalgalerie. Auch die Besucher haben die Wahl: Am 4. November, der Finissage, wird ein Publikumspreis überreicht.

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