Preiszeremonie : Lob der Mütter

Die Preisträger blieben in ihren Danksagungen meist maßvoll. Keiner strapazierte, wie im Vorjahr, die Geduld über Gebühr, aber leider blieben auch die Emotionen, jedenfalls die gezeigten, überwiegend moderat.

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Was wären wir ohne unsere Mütter! Ein Nichts, das stimmt schon, und insofern ist es durchaus begründet, sich als Berlinale-Preisträger auch bei der eigenen Mutter zu bedanken. Doch als dies dann bei der gestrigen Preis-Gala im Berlinale-Palast schon zum vierten Mal geschah, da schien sich fast so etwas wie ein Running Gag zu entwickeln, ein potenzielles Humorelement. Aber da war die an Gags nicht gerade reich gesegnete Zeremonie auch schon vorbei.

Sie werde nicht allzu lange dauern, hatte Moderatorin Anke Engelke versprochen und zum Glück Recht behalten. Denn das war noch das Beste, das sich über den Verlauf sagen ließ: Die Preisträger blieben in ihren Danksagungen meist maßvoll. Keiner strapazierte, wie im Vorjahr, die Geduld über Gebühr, aber leider blieben auch die Emotionen, jedenfalls die gezeigten, überwiegend moderat, während doch gerade der Jubel, die Rührung, der Triumph auf der Bühne das Spannende solch eines Abends ausmachen. Nur der junge Russe Grigory Dobrygin („Das ist meine allererste Rolle“) war weithin sichtbar überwältigt, dankte überschwänglich allen, natürlich auch seiner Mutter – und sogar der Oma.

Immerhin war das Wetter besser als am Eröffnungsabend, wodurch sich weitaus mehr Zaungäste anlocken ließen, an denen die Prominentenriege, von Karoline Herfurth und Robert Stadlober über Günter Lamprecht und Barbara Sukowa bis zu Finanzsenator Ulrich Nußbaum wie gewohnt vorbeiparadierte. Empfangen wurden die Gäste von der ebenfalls gebremst wirkenden, ihre humoristischen Möglichkeiten bei Weitem nicht ausschöpfenden Anke Engelke, deren Pingpong mit Berlinale-Chef Dieter Kosslick diesmal nicht recht in Schwung kam. Immerhin wusste Preisträger Wang Quan’an zu berichten, das er beim Goldenen Bären vor drei Jahren vor der Verleihung seine Hose nicht fand, diesmal habe die Jacke gefehlt. Beim dritten Preis werde er wohl nackt erscheinen, witzelte Anke Engelke.

Für Roman Polanski nahmen seine beiden Produzenten den Preis entgegen. Einer der Stellvertreter überbrachte sein verbittertes Grußwort aus dem Schweizer Hausarrest: „Selbst wenn ich hätte kommen können, wäre ich nicht gekommen. Als ich letztes Mal ein Festival besuchte, um einen Preis zu erhalten, endete ich im Gefängnis.“ 

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