Premiere am Heimathafen Neukölln : Betroffene auf die Bühne!

Agit-Prop: Im Studio des Berliner Theaters Heimathafen Neukölln stehen Schauspieler und Geflüchtete für "Grenzfälle" zusammen auf der Bühne. Ja, Geflüchtete: Flüchtlinge ist eine in der Aktivistenszene verpönte Bezeichnung.

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Fiktion und Realität: Schauspieler agieren gemeinsam mit Geflüchteten aus Libyen, Mali, Ghana oder Burkina Faso.
Fiktion und Realität: Schauspieler agieren gemeinsam mit Geflüchteten aus Libyen, Mali, Ghana oder Burkina Faso.Foto: Fred Moseley/Heimathafen Neukölln

Wäre das Theater ein Spiegel der gesellschaftlichen Realität, wie es ja gerne mal behauptet wird, müsste es den Geflüchteten in Deutschland ziemlich gut gehen. Jedenfalls wäre ihrem Schicksal eine inbrünstige und allseitige Aufmerksamkeit gewiss, auch über grell auflodernde Camp-Debatten am Oranienplatz hinaus. Ist aber natürlich nicht so.

Nur die Bühnen haben republikweit ihr Herz für jene Menschen entdeckt, die unter zumeist unschönen Bedingungen ihre Heimat verlassen müssen und hierzulande auf Asyl hoffen. Besonders beliebt: wenn dabei echte Betroffene beteiligt sind. So verheißt es auch die Produktion „Grenzfälle“ am Heimathafen Neukölln: Berliner Schauspieler agieren zusammen mit Geflüchteten (wer’s noch nicht mitbekommen hat: „Flüchtling“ ist ein in der Aktivistenszene verpönter Begriff).

Im Studio des Theaters an der KarlMarx-Straße haben sich also Menschen zusammengefunden, die Jay-Jay, Jamal, Momo, Ona oder Abba heißen und die aus Libyen, Ghana, Mali oder Burkina Faso stammen. Die junge Regisseurin Anna-Katharina Schröder hat ihre Protagonisten auf einer Demonstration kennengelernt, wo sie laut Presseinfo „von den Gesängen und einer Atmosphäre voller Energie sofort gepackt“ wurde. Aus wöchentlichen Improvisationen und dem Austausch bei Kochabenden entstand das Stück „Grenzfälle“. Es erzählt von Marie (Esther Zimmering), die mit ihrem Mann Jack (gespielt von Jack) ein entfremdetes Besserverdiener-Leben nebst Zierfisch Erwin im Aquarium führt. Jack hat zwar auch eine Fluchtgeschichte, ist aber inzwischen als Karrieremensch überassimiliert – was durch weiße Schminke im Gesicht kenntlich gemacht wird. Ein wichtiges Geschäftsessen liegt an, zu dem eine Rechtsanwältin (Alexandra Krüger) und eine Politikerin (Annina Butterworth) erwartet werden. Doch torpediert Marie den Termin, indem sie mit ihrer Aktivistenfreundin Frida (Lisa Conrad) und einer Gruppe afrikanischer Asylsuchender aufmarschiert, die lauthals Bleiberecht und Arbeitserlaubnis fordern.

Ganz klar: Hier ist das Theater mit dem Demo-Platz verwechselt worden. „Grenzfälle“ ist natürlich furchtbar gut gemeint. Aber so amateurhaft naiv und hölzern inszeniert, dass es dem politischen Anliegen einen Bärendienst erweist. Nein, es steht nicht gut um die Situation der Geflüchteten. Patrick Wildermann

Wieder am 26. und 27. April sowie am

6. und 7. Mai, 19.30 Uhr

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