Premiere am Theater Strahl : Reden wir über Sex

Was Jugendliche über Liebe, Lust und Sex denken? Das Jugendtheater Strahl hat sich auf die Suche nach der Beantwortung dieser Frage gemacht.

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Generation null Porno. Selin Kavak und Randolph Herbst in „Am Ende ist man immer nur wer anderes“.
Generation null Porno. Selin Kavak und Randolph Herbst in „Am Ende ist man immer nur wer anderes“.Foto: Promo/Jörg Metzner

Ist das jetzt eine Warnung oder ein Versprechen? „Ihr werdet euch maximal fremdschämen“, rufen die Schauspieler ihren jungen Zuschauern zu. Und: „Gleich geht’s hier richtig zur Sache!“ Immerhin, eins wird auch gleich zu Beginn klargestellt: Ausziehen werden sich die vier auf der Bühne nicht. „Ihr wollt keine nackten Schauspieler sehen“ – das haben die Recherchen ergeben. Kann man ja auch nachvollziehen. Ansonsten aber bleibt tatsächlich nichts ausgespart in dieser Stückentwicklung der Autorin Azar Mortazavi und der Regisseurin Hannah Biedermann am Jugendtheater Strahl, die „Am Ende ist man immer nur wer anderes“ heißt. Und deren Arbeitsprämisse schlicht und einfach lautete: „Let’s talk about sex.“

An verschiedenen Schulen in Neukölln und Schöneberg haben Biedermann und Mortazavi mit Jugendlichen in der Altersklasse von 13 bis 14 und von 16 bis 17 Jahren über das weite Feld von Liebe, Lust und Sex gesprochen. Es ging um Pornos und Heiratswünsche, Kopftuch und Schwulsein, Werbung und Familie. Aus den gewonnenen Erkenntnissen und Überraschungen haben die jungen Theatermacherinnen eine Spielfassung gemacht, die von Randolph Herbst, Selin Kavak, Mehrdad Taheri und Anna Trageser unter Einbeziehung von eigenem biografischen Material sehr unverkrampft und energetisch belebt wird. Oft auf Hüpfbällen. Und vor einer Ornithologen-Tapete, die einem allerlei Gefieder in Großaufnahme vorstellt. Kleiner Vögel-Scherz. Aber darin zeigt sich schon der grundentspannte Gestus dieser Produktion.

Kompilation der peinlichsten Anmachsprüche

Es geht der Dramatikerin Mortazavi („Ich wünsch mir eins“) und der Regisseurin Biedermann (mit ihrer Jon-Fosse-Inszenierung „Schwester“ schon für den „Faust“ nominiert) in erster Linie darum, hinter die Klischees, Illustriertenbilder und Statistiken zu blicken. Die gesammelten Statements der Jugend von heute, inklusive einer großartigen Kompilation der peinlichsten Anmachsprüche, sind so facettenreich wie die Lebensentwürfe generell. Von wegen Generation Porno. Mit dem ersten Mal zum Beispiel wollen gar nicht so wenige – gleich welcher Herkunft – bis zur Ehe warten. Gewertet wird nichts, gespottet höchstens über die klemmigen Eltern mit ihrer aufgesetzten Liberalität („Hauptsache ihr verhütet“, „Du kannst mit uns über alles reden“). Und die Message? Kommt auch gleich zu Anfang: „Macht euch keinen Druck.“

wieder am 27.6. und 1.–4.7.

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