Premiere bei der Berlinale : Iron Sky: Nazi-Trash, Crowdfunding und mehr

Nazi-Kolonie auf dem Mond: Der finnische Regisseur Timo Vuorensola stellte auf der Berlinale seine teils durch eine Internet-Fangemeinde finanzierte Komödie "Iron Sky" vor.

von
Kier und Kameraden: "Heil Kortzfleisch" lautet der Pflichtgruß in der Nazi-Mondkolonie. Udo Kier (links) spielt im Film "Iron Sky" den zuweilen melancholisch wirkenden Führer Wolfgang Kortzfleisch, der um seine Vorherrschaft bangen muss. Seine Truppen greifen die Erde an, um doch noch den Endsieg zu erreichen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: promo
11.02.2012 20:22Kier und Kameraden: "Heil Kortzfleisch" lautet der Pflichtgruß in der Nazi-Mondkolonie. Udo Kier (links) spielt im Film "Iron Sky"...

Dürfen die das? Einen solchen Film drehen und dann auch noch mit teilweise deutscher Finanzierung? Einen Film über Nazis, die in eine Kolonie auf den Mond geflohen sind und sich auf ihre Rückkehr zur Erde samt doch noch zu verwirklichendem Endsieg vorbereiten? Eine Komödie, die sich dem Vorwurf aussetzt, das NS-Regime zu verharmlosen und dessen Opfer lächerlich zu machen?

Natürlich kamen solche Fragen im Pressegespräch zur Premiere des Films „Iron Sky“ am heutigen Sonnabend auf. „Es war gut, dass wir eine internationale Produktion haben“, sagt Oliver Damian, der den Film mit australischen und finnischen Partnern verwirklicht hat. Eine rein deutsche Produktion wäre wohl bei dem Thema auf Skepsis gestoßen. „Ein finnischer Regisseur geht da ganz anders ran.“

Timo Vuorensola, der finnische Regisseur, hatte jedenfalls von vorneherein den richtigen Ansatz, um eine Nazi-Komödie zu machen. Die Idee kam ihm - „wie alle guten Ideen aus Finnland“ – in der Sauna. Zwei Punkte waren für den Jungregisseur, der bislang mit der Star-Trek-Persiflage „Star Wreck“ bescheidenen Kultstatus errungen hatte, schon während jener Saunasitzung klar: Udo Kier muss eine Hauptrolle spielen und den Soundtrack muss Laibach machen, das slowenische Künstlerkollektiv, das seit den Achtzigern mit totalitären Verfremdungen von Popsongs und –alben zum Beispiel der Beatles Aufsehen erregt und das Genre der Industrial-Musik mit geprägt hat.

„Ich bin ein großer Laibach-Fan“, sagt Vuorensola. „Aber ich wusste natürlich nicht, wie ich da einen Kontakt herstellen soll.“ Und schon gar nicht mit deutschen Stars wie Kier oder Götz Otto oder Julia Dietze. Die Anbahnung solcher Kontakte übernahmen Produzenten und Agenten, die an Vuorensolas Idee glaubten.

Dass der Film schon vor seinem Start im Internet populär wurde, gab ihnen Recht – und half bei der Finanzierung. Rund zehn Prozent der 7,5 Millionen Euro, die das Projekt gekostet hat, kamen durch Anteile zusammen, die von Fans im Netz per Crowdfunding übernommen wurden – sowie durch Fanartikelverkauf online. Seit Wochen kursieren Vorab-Clips zu „Iron Sky“ in den sozialen Netzwerken. Entsprechend gut lief auch der Kartenverkauf bei der Berlinale an, wo der Film im Panorama-Programm gezeigt wird.

12 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben