Prenzlauer Berg : Guggenheim Lab offiziell eröffnet
16.06.2012 00:00 UhrWind bewegt sacht die Gardinen, ein laues Lüftchen weht durchs Haus. Wie viel Ärger, wie viel Zorn hat es um diesen Bau gegeben, der nicht einmal Wände besitzt, sondern eigentlich nur aus einer aufgeständerten Dachkonstruktion besteht, an deren Seiten helle, sommerliche Vorhänge befestigt sind. Der vom Tokioter Architekturbüro Bow-Wow entworfene, graumetallene Pavillon erscheint hier im Pfefferberg zwischen den alten Gemäuern wie ein Ufo, der heruntergekommene Hinterhof bildet den größtmöglichen Kontrast zum Hightech-Geschoss. Das BMW Guggenheim Lab lebt von diesen Widersprüchen.
Es ist zugleich Statement und Angebot.
Bei der Eröffnung am Freitag gab es sich demonstrativ offen, zugänglich für alle, arglos, spielerisch mit einem „Marathon of Making“. Tische sind aufgestellt mit Nummern darauf, zwischen denen die Besucher hin- und herspazieren können. Auf dem einen liegen Stoffe und Reißverschlüsse ausgebreitet, daneben sind Nähmaschinen aufgebaut, zur freien Bedienung. Fahrradtaschen und Sattelschoner aus reflektierenden Textilien stehen auf dem Programm der Open-Air-Schneiderei. Daneben haben Studenten vom Massachusetts Institute of Technology ihre metallenen Köfferchen ausgepackt. Mit Papier und Kupferband wird simpel vorgemacht, wie Elektronik funktioniert, wie Solarzellen sonst noch zu nutzen sind. Technologie für jedermann, um die Angst vor der unbekannten Größe abzubauen.
Die Eröffnung des Lab in Bildern
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Ähnlich soll auch das Lab-Programm funktionieren, low key und down to earth. Hier kommt kein big spender angereist und will die kleinen Leute von nebenan beglücken. Hier sollen alle voneinander lernen. Junge Menschen weisen ein in das „Action Weavening“ mit einem einfachen Webstuhl vor dem Bauch für den selbstgemachten Bettvorleger oder zeigen die Grundlagen des „Guerilla Gardening“ mit Hilfe sogenannter „Seat Bombs“, die aus den Samen der Lupinie, diverser Wildblumen und Wiesenkräuter in kleinen Tüten verpackt werden. Neben dem Lab ist ein ehemaliger Feuerwehrwagen geparkt, der statt Schläuchen Bastelzeug geladen hat. Mit ihm werden die beiden Künstler Felix Zaiß und Johannes Dumpe in den nächsten Wochen dorthin fahren, wo das Berliner Liegenschaftsamt Immobilien und Baugrund meistbietend verhökert, ohne dass die Nachbarn gefragt werden. Das Lab-Mobil liefert das Werkmaterial für alternative Architekturmodelle oder zur Möblierung einer Brache.
Sehen Sie hier das Video – das Guggenheim Lab in Aktion:
















