Kultur : Preußenjahr: Kultur-Marathon

Nicola Kuhn

"Ich bin ein Preuße, kennt Ihr meine Farben", beginnt die preußische Einheitshymne. Doch heute, drei Jahrhunderte später, kennn nur wenige die Flagge dieses ersten deutschen Gesamtstaates. Das dürfte mit Ende diesen Jahres anders werden, denn 2001 ist in Berlin und Brandenburg zum Preußenjahr ausgerufen.

Einen konkreten Jubiläumstermin gibt es auch: Am 18. Januar 1701 setzte sich der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. selbstbewusst die Krone aufs Haupt und nannte sich fortan König von Preußen. Doch die Feierlichkeiten beginnen schon eine Woche zuvor mit dem Startschuss der Veranstaltungsreihe "Schauplatz Museum", die ganz im Zeichen des Jubiläums steht. "Ohne Glanz kein Gloria" lautet zur Eröffnung der Titel einer "preußischen Revue in fünf Bildern", die ab morgen (sowie am 13. und 14. Januar, 20 Uhr), in der Berliner Staatsbibliothek am Kulturforum gegeben wird. Getreu dem Motto von Preußenforscher Nicolaus Sombart "Preußen ist überall" führen Tänzer, Schauspieler und Musiker eine Zeitreise durch die vergangenen dreihundert Jahre auf.

Der eigentliche Festakt - gemeinsam veranstaltet von Berlin und Brandenburg - aber ist termingerecht für den 18. Januar im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt mit anschließendem Gottesdienst im Berliner Dom angesetzt. An diesem Tag wird endlich auch das Schlossmuseum Oranienburg, die bevorzugte Residenz Friedrichs I., mit einer Ausstellung dem Publikum wieder zugänglich gemacht. In den Paraderäumen und der Königswohnung im Nordwestflügel sind dann kostbare Werke aus der wechselvollen Geschichte des lange Zeit fremd benutzten Gebäudes zu sehen, darunter die erstmals nach dem Krieg wiedervereinigten Bildteppiche mit den Ruhmestaten des Großen Kurfürsten.

Noch im gleichen Monat beginnend werden Konzerte aufgeführt mit Musik an preußischen Höfen (18. Januar, Dorfkirche Alt-Staaken), Vorträge gehalten etwa zum 100. Todestag des Landesforstmeisters Dr. Bernhard Danckelmann (19. Januar, Eberswalde, Museum in der Adlerskirche), oder Theaterstücke gegeben zu Liebeslust und Heiratsfrust von Friedrich II. (25. Januar, theater im palais, Berlin). Doch die eigentlichen Aktivitäten fokussieren sich im Ausstellungsbereich. Nicht so sehr wie 1981, als man mit einer großen Preußen-Schau im Martin-Gropius-Bau Bilanz zu ziehen versuchte, als mit zahlreichen kleineren Ausstellungen, die vornehmlich im Mai beginnen. Diesmal soll möglichst breit angelegt "ein lebendiges Bild" vermittelt werden, das über Berlin auch auf Brandenburg hinausgreift, das Stammland Preußens.

Insgesamt sind 14 Einzelpräsentationen geplant, in deren Zentrum allerdings die von Deutschem Historischen Museum und Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in der Orangerie von Schloss Charlottenburg veranstaltete Ausstellung "Preußen 1701 - Eine europäische Geschichte" steht (ab 7. Mai). Mit ihr soll die Situation Europas um 1700 nachgezeichnet werden, in der die Krönung stattfand. Neben vielen originalen Schaustücken dürfte der Clou für alle Preußen-Experten ein computersimulierter Rundgang durch das Berliner Schloss im Jahre 1706 sein.

Die zweite zentrale Ausstellung beschäftigt sich unter dem Titel "Marksteine: Eine Entdeckungsreise durch Brandenburg-Preußen" mit der Entwicklung der Mark zum Kernland des späteren preußischen Staates. Mit dieser Schau wird am 18. August zugleich das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte im gegenwärtig noch in Wiederherstellung begriffenen Kutschstall am Neuen Markt eröffnet. Zuvor aber gibt es in Brandenburg ein ganzes Feuerwerk an Ausstellungen rund um das Preußen-Jubiläum. So setzt sich das Museum Viadrina in Frankfurt mit der Blütezeit der ältesten brandenburgischen Universität im 18. Jahrhundert und ihrer Vermittlerrolle für aufklärerische Ideen auseinander (ab 9. Juni, im Stadtpalais "Junkershaus"). Das Kulturhistorische Museum in Prenzlau widmet sich ab 20. Mai "Militär und Gesellschaft in Brandenburg-Preußen von 1700 bis zur Gegenwart", was neben der Ausstellung im Kulturhistorischen Museum im Dominikanerkloster auch Garnisonserkundungen im Rahmen von Stadtspaziergängen umfasst. Den Auswirkungen der preußischen Landwirtschaftsreform in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf Land und Leute werden ab Mai die agrarhistorischen Museen in Altranft, Berlin-Dahlem, Bloischdorf, Wandlitz und Möglin auf den Grund gehen, gefolgt von einer Ausstellung im Hüttenmuseum Peitz über Aufstieg und Fall eines Industriestandortes (ab 2. Juli).

Dazu sollte man sich unbedingt vormerken die Präsentation der erstmalig wieder zusammengeholten Sammlung des Marchese Vincenzo Giustiniani mit Werken Caravaggios, die Friedrich Wilhelm III. bei seinem Paris-Aufenthalt 1815 kurzentschlossen für Preußen erwarb (ab 15. Juni, Gemäldegalerie, Berlin). Außerdem die vom Museum Klosterstift in Heiligengrabe vorbereitete Schau über "Preußens FrauenZimmer" (ab 1. Juli) und die vom Kindermuseum im Rahmen einer Ausstellung untersuchte Fragestellung "Wer erzog Prinzen zu Königen?" (ab 12. Oktober, Märkisches Museum).

Als Einstimmung auf den großen Preußen-Marathon in diesem Jahr aber dürfte sich die "Lange Nacht der Museen" am 27. Januar eignen, an der sich 73 Institutionen - von Abguss-Sammlung bis Zucker-Museum - beteiligen und ein Programm bis in die Morgenstunden bieten.

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