Kultur : Preußenjahr: Museums-Monopoly

Michael Zajonz

Auch einstige Dauerbrenner politischer Betroffenheitskultur taugen nicht mehr für den Streit. Beispiel Preußen: Manfred Stolpe und Eberhard Diepgen hatten gestern ins Potsdamer Filmmuseum geladen, um in einer ersten Zwischenbilanz das am 18. Januar gestartete Preußenjahr in ganz unpreußischer Art über den grünen Klee zu loben. Berlins Regierender Bürgermeister verkündete, nun beherzt die zweite Phase des Jubeljahrs einzuläuten, "die auf dem Gebiet der Wissensvermittlung dem friderizianischen Ansatz nicht nachstehen soll". Sein Tagesbefehl: "Pflichtbewusste Beiträge zur Erinnerung, schnörkellose Bilanzen." Dem bekennenden Preußen-Fan Stolpe schien die einmal vorgegebene Marschrichtung wohl vertraut, stehen Strategie und Dramaturgie der aus mehreren Hundert Einzelveranstaltungen zusammengesetzten Großoffensive in Sachen Landesgeschichte doch seit längerem fest.

Das touristische "Markenprodukt Preußen" als Chefsache: Es waren weniger die nochmals in Kurzform präsentierten Ausstellungen und Festivitäten, als vielmehr die Zurückhaltung in Sachen Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam, die aufhorchen ließ. Denn anschließend stand ein Baustellenrundgang auf dem Programm. Stolpe selbst hatte 1997 den Anstoß für die Restaurierung des spätbarocken Kutschstalls am Neuen Markt und seine künftige Nutzung als Preußen-Museum gegeben. Damals war man von einem umfassenden Sponsorenmodell ausgegangen.

Bei den Sanierungskosten von 9,2 Millionen Mark ging dies auch teilweise auf: So beteiligte sich der hessische Software-Unternehmer Hasso Plattner an der Restaurierung des aufwendigen Skulpturenschmucks. Doch sein Engagement greift wesentlich weiter: Plattner übernahm einen Teil des Areals, um - teils in Neubauten - in Bauherrengemeinschaft mit der Landesinvestitionsbank Parkhaus, Gastronomie, Apartments für Wissenschaftler und eine wissenschaftliche Bibliothek zu behausen. Für das Geschichtsmuseum selbst fand sich bislang kein Gönner. Wie Pressereferentin Katrin Seitz betont, steht für die nächsten Jahre eine "Grundsicherung" zur Verfügung, um Betriebs- und Personalkosten auch jenseits der im August beginnenden Landesausstellung "Marksteine" zu sichern.

Projektmittel sind darin freilich nicht enthalten. So wird das Haus zum Jahresende wieder geschlossen, um weiterzubauen. Anfang 2003 wird erneut eröffnet. Das Nachdenken über die künftige Betriebsform des Hauses sollte dann allerdings Ergebnisse zeigen. Gründungsbeauftragter Hartmut Dorgerloh favorisiert eine gemeinsame GmbH von Stadt und Land, der auch das kommunale Filmmuseum zugeschlagen werden könnte.

Auch wenn die Preußen angeblich nicht so schnell schießen; es bleiben allzu viele Fragen offen im Potsdamer Museums-Monopoly. Doch eines ist klar: Eine Pleite, wie beim Scheitern des Kunsthallen-Projektes 1993, wird sich nach dem Preußenjahr niemand mehr leisten wollen.

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