Kultur : Prinzen her!

SALON–OPER

Carsten Niemann

So wie sie Märchen zu erzählen wusste, kann man sich die große Sängerin Pauline Viardot (1821 – 1910) nur als hinreißende Großmutter vorstellen. Über achtzig Jahre war sie alt, als sie Text und Musik zu „Cendrillon“ schrieb, einer Salonopernversion des Märchens von Aschenputtel. Wer wie sie die großen Bühnen der Welt als Primadonna assoluta erobert hat, eine langjährige Menage à trois mit einem bejahrten Operndirektor und einem jungen Dichter meisterte, mit Persönlichkeiten wie Tschaikowsky, Clara Schumann oder Georges Sand befreundet war und so manchen echten wie falschen Prinzen kannte – eine solche Persönlichkeit gibt sich nicht mit einer biederen Wiedergabe des Stoffs zufrieden. Vom Aschenputtel mit dem leichten Helfersyndrom bis hin zum arrivierten Vater, der sich seiner Vergangenheit als Lakritzverkäufer schämt, sind alle Figuren mit Witz und Weisheit nach dem echten Leben gezeichnet, ohne dabei ihre Märchenhaftigkeit zu verlieren. Und natürlich müssen die beiden eitlen Schwestern als wunderbar zickige Primadonnen um die Gunst des Prinzen buhlen. Das Team des Konzerthauses (Regie Heike Hanefeld, Ausstattung Barbara Anna Keiner, Klavier und Leitung Oliver Pohl) hat diese charmante und dramaturgisch packende Ausgrabung im leichten Salonton wunderbar klar und engagiert auf die Bühne des kleinen Saals gebracht (noch bis 28. Dezember). Musikalisch hätten dabei alle drei Schwestern (Cornelia Marschall, Peggy Steiner, Olivia Saragosa) ihren „Prinz Charmant“ (Daniel Pohnert) vollauf verdient. Und zusammen mit Martin Schrader (als Vater) und Kim Schrader (als Kammerherr) ein Lob für überzeugendes Schauspiel dazu.

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