Kultur : Prinzip Hoffnung

Die Franzosen sollen Deutsch lernen und wollen nicht recht

Sabine Heimgärtner

Ab heute ist es soweit: Zum ersten deutsch-französischen Tag sind die Pariser Metro-Bahnhöfe mit Plakaten des Goethe-Instituts gepflastert. Sie zeigen ein junges Paar, das für das Erlernen der laut Umfragen unbeliebten, schwierigen, langweiligen und häßlichen deutschen Sprache werben soll. Er ist ein smarter Franzose, sie ein Zahnspange tragendes Landei, das der bayrischen Alm entsprungen sein könnte. Es leben die Vorurteile! Doch das ist nur der Anfang: Den deutsch-französischen Tag wird es ab jetzt jährlich geben. Anläßlich der Jubelfeiern zum 40. Jahrestag des Elysée-Vertrages vor einem Jahr war er als „Beinahe“-Feiertag eingeführt worden. Ausgerechnet in Zeiten anrüchiger Beraterverträge hat das Pariser Goethe-Institut nun eine deutsche Werbeagentur und deren französischen Partner beauftragt, für die bessere Verbreitung des Deutschen im Nachbarland zu sorgen, denn nur noch 15 Prozent der französischen Schüler lernen heute Deutsch.

„Gemeinsam geht alles besser", heißt zwar das Motto der Kampagne. Deren Aussage blieb jedoch für die Veranstalter selbst wirkungslos: Bei der Vorstellung des Programms, in dessen Rahmen in 70 französischen Städten Kino-, Sport-, Tanz- und Vortragsveranstaltungen stattfinden sollen, war kein Vertreter Frankreichs zugegen. Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts, und die als deutsches Cine-Maskottchen eingesetzte Schauspielerin Martina Gedeck, mühten sich redlich, der Kampagne Sinn einzuhauchen. „Europa denkt mehrsprachig“, so Limbach. Es gilt besteht also noch Hoffnung.

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