Kultur : Prinzip Umverteilung

Ulrich Zawatka-Gerlach

Jetzt wird das Geld, dass Berlin bei der Sanierung der Museumsinsel spart, vom Kultur- in den Wissenschaftsetat umverteilt. In diesem Jahr sind es immerhin 5,3 Millionen, 2003 weitere 10,8 Millionen Euro, die das Land nicht mehr an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zahlen muss, weil der Bund einspringt. Doch nur ein Bruchteil dieser Summe kommt dem finanziell notleidenden Kulturressort zugute; mit dem großen Rest werden die außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Berlin ausfinanziert.

Nur unter dieser Bedingung stellte die Bundesregierung die Hauptstadt von den Investitionskosten für die Museumsinsel frei. Aber das heikle Thema interessierte den "Unterausschuss Theater" des Abgeordnetenhauses, der am Donnerstag über den Kulturetat für 2002/03 beriet, nur am Rande. Die Regierungsfraktionen trieb vielmehr die Frage um, wie die Bilanzdefizite der Volksbühne und des Grips-Theaters rasch zu beseitigen sind. Durch Umschichtungen im Haushalt sollen für die Volksbühne 816 000 Euro und für die Volksbühne 208 000 Euro freigeschaufelt werden. Die Kulturverwaltung will dafür kurzfristig Vorschläge erarbeiten, damit der Unterausschuss am 3. Juni Beschlüsse fassen kann. Senator Thomas Flierl ist guter Dinge, dass er den Volksbühnen-Intendanten Frank Castorf halten kann.

Teilweise auf Skepsis traf der Senatsbeschluss, die vorgesehenen Mittel für die Entschuldung der Landesbühnen (2,045 Millionen Euro) auf auf das Carrousel-Theater (1,733 Millionen Euro) zu konzentrieren, um dessen Personalabbau finanzieren zu können. Flierl kündigte darüber hinaus an, im Zuge einer Rechtsformänderung der landeseigenen Theater deren defizitäre Bilanzen "auf Null zu stellen". Ein Konzept sei in Vorbereitung. Gute Nachricht für die Sophiensäle: Sie bekommen einen festen Zuschuss, die Zeitgenössische Oper jedoch nicht. Ganz nebenbei war zu erfahren, dass die Akademie der Künste erst 2004 umziehen wird.

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