Kultur : Pro-Emotional

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„Keine Kunst, kein Geschwätz. Dieses Stück wird Sie berühren. Zärtlich, lustvoll, direkt“, verspricht Felix Ruckert. Kaum ein Choreograph hat die herkömmliche Guckkastenbühne so radikal verabschiedet wie der ehemalige Pina-Bausch-Tänzer: Er stellte in „Hautnah“ je einen Akteur und Zuschauer in einer peepshowartigen Situation einander gegenüber, ließ in „Schwartz“ das Publikum an die Wand projizierte Aufgaben ausführen oder fesselte in „Stillen“ seine Tänzer bis zur Bewegungsunfähigkeit. In seiner neuen Produktion „Secret Service“ treibt Ruckert sein Konzept der Grenzüberschreitung weiter und macht „den Körper des Zuschauers zum Spielort". Wie das geht? Die Besucher im Dock 11 (weitere Aufführungen: 21.-25., 28. August sowie 1. September, Einlass von 20 bis 22 Uhr) werden einzeln aufgerufen und barfuß, mit entblößtem Oberkörper und verbundenen Augen an den Ort des Geschehens geführt. Durchdringend pochende Ambient-Klänge machen die Orientierungslosigkeit komplett. Dann erfährt der Proband eine halbe Stunde „Tanz“ am eigenen Leib: Mitglieder der Compagnie berühren und führen ihn, wirbeln ihn umher und fixieren ihn, heben ihn empor und drücken ihn zu Boden. Das Repertoire ihrer Annäherungsversuche reicht vom sanften Atemhauch bis zum Klammergriff, der keinen Widerstand erlaubt. Alles ist improvisiert und auf das Individuum abgestimmt: Jeder Teilnehmer erlebt seine eigene Körperwelt. Wer mag, wird in einer zweiten Stufe an den Handgelenken angekettet und kann, traktiert von Staubwedeln wie Reitgerten, die Reise zum Schmerzlustgrund der eigenen Seele antreten. Den alten Traum, die Kunst unvermittelt ins Leben eingreifen zu lassen, verfolgt Ruckert mit seltener Konsequenz. Dieses Kunststück entzieht sich jeder Beschreibung. Aber es ergreift unmittelbar: Versprechen eingelöst. Oliver Heilwagen

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