Kultur : Profis und Projekte

Katrin Wittneven

über Bewegungen in der Berliner Galerieszene Sie reißen nicht ab, die euphorischen Pressemitteilungen von Galerieneugründungen in Berlin. Mehr ist mehr, scheint die Devise der Stunde zu sein und jeder, der drei Künstler kennt, macht irgendwie mit: hier ein Projektraum, dort eine neue Vermarktungsstrategie. An die 400 Galerien sollen es inzwischen sein, aber wer will sie noch zählen? Angesichts des anhaltenden Booms stimmt es nachdenklich, wenn ein ernsthafter Streiter für minimale Positionen wie Markus Richter nach dem heutigen Tag seine Galerieräume in der Schröderstraße schließt. Der Kunst wird er zwar treu bleiben und im September mit verjüngtem Programm einen temporär angelegten Projektraum am Strausberger Platz eröffnen. Aber die klassische Galeriegeschichte, die 1997 in Potsdam ihren Anfang nahm und zu der Künstler wie Colin Ardley, Tim Ayres, Pedro Cabrita Reis, Christoph Dahlhausen, Thomas Florschuetz, Paul Harrison & John Wood, David Tremlett, Peter Welz und Beat Zoderer gehörten, ist vorerst vorbei. In Zeiten, in denen die Künstler vor allem jung sein und den Pinsel schwingen sollen, ist das finanzielle Risiko offenbar zu groß geworden für konzeptionelle und architekturbezogene Installationen, die Richter realisierte. In der aktuellen Gruppenausstellung kann man sich noch einmal davon überzeugen: Nur einen Strich hat Dirk Rathke auf die Wand gebracht, zwei Eckpunkte erzeugen ein unglaubliches Volumen. Leerstellen haben ihn immer interessiert, sagt Richter. Nun wird er selbst eine hinterlassen.

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Andere Berliner Galerien begegnen der wachsenden Konkurrenz mit Umzügen: Die Galerie Vostell hat ihre Räume in Prenzlauer Berg geschlossen und setzt im neuen Art Center Berlin (Friedrichstraße 134) auf Kooperationen. Die Galerie Fahnemann beendet mit dem heutigen letzten Ausstellungstag der sehr sehenswerten Werke von Thomas Zitzwitz ihre Ära in der Fasanenstraße und eröffnet im Oktober die erweiterten Projekträume in der Gipsstraße in Berlin-Mitte. Die Galerie Schoen + Nalepa hat sich im Domquarree luftige 120 Quadratmeter eingerichtet und zeigt in ihrer zweiten Ausstellung „Corrispondenze“ Skulpturen von Tatjana Schülke und Gemälde von Albert Merz . Beide treffen sich mit ihrer reduzierter Farbgebung, freien Formen, die vom Realismus oder von Fundstücken ausgehen, und mit einer permanenten Hinterfragung der eigenen Arbeit. Auch in der Kunst ist die einzige Konstante die Veränderung.

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