Kultur : Programm statt Service

Das Goethe-Institut nach der McKinsey-Kur

Peter von Becker

Für das Jahr 2008 hofft das Goethe-Institut (GI) auf eine Steigerung seiner freien Projektmittel um mindestens zwölf Millionen Euro. Im Bundeshaushalt kaum ein Promillebruchteil, wäre diese Erhöhung für die Programmarbeit der weltweit 129 Goethe-Filialen nach jahrelangen Kürzungen ein Schritt voran. Am Montagabend hatte GI-Generalsekretär Hans-Georg Knopp in der Münchner Instituts-Zentrale Abgeordneten des Bundestagsunterausschusses Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik die Pläne für eine organisatorisch-strukturelle Reform des Instituts vorgestellt (Tsp. vom 26. 6.). Die von einer Evaluierung durch die Beratungsfirma McKinsey begleiteten Maßnahmen zum Abbau von Doppelbesetzungen und bürokratischen Hemmnissen fanden offenbar weitgehende Zustimmung bei den Abgeordneten. Allerdings interessierten sich die Politiker nicht nur für den Abbau von 50 Angestellten in der GI-Zentrale und die Auslagerung etwa der Reiseabteilung. Sie fragten nach dem Programm.

Es geht bei der von Knopp und GI-Präsidentin Jutta Limbach unter politischem Druck forcierten Neuorientierung des Instituts vor allem um eine programmatische Selbstvergewisserung seit der Wende, seit den Balkankriegen, dem 11. September und Globalisierungs-Umbrüchen in Asien und Teilen der Dritten Welt. Dabei wird gerade nach dem letzten EU-Gipfel in Brüssel wieder klar, dass kulturelle Vermittlung auch in Europa eine Kernaufgabe bleibt. Unter Sparzwängen hatte das Goethe-Institut seine Präsenz zwischen Kopenhagen und Palermo in den vergangenen Jahren zum Teil einschneidend reduziert.

Inzwischen ist es wohl gelungen, das Auswärtige Amt als Dienstherr und darüber hinaus das Parlament vom Wert der auswärtigen Kulturarbeit wieder stärker zu überzeugen. So hat sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Unterschied zum Vorgänger Joschka Fischer für das Goethe-Institut auch persönlich engagiert und seinen Rückhalt in den kommenden Etatberatungen signalisiert. Ab 2008 wird dem GI eine eigene Budgetierung zugestanden, befreit von kameralistischen Zwängen und bürokratischen Einzelgenehmigungen. Rivalitäten sollen im Auswärtigen Amt unter anderem durch eine Zusammenlegung der für das GI bisher getrennt zuständigen Abteilungen für Kultur und Kommunikation gemindert werden. Entscheidend jedoch bleibt, dass das Institut seine Programmunabhängigkeit gegen Versuche verteidigt, künftig vor allem als (kultur)politische „Serviceagentur“ zu agieren. Peter von Becker

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