Projekt "Breslau-Berlin 2016" : Da guckste in die Röhre

Die Installation „Luneta“ macht Breslau in Berlin sichtbar – und umgekehrt.

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Hallo, Nachbarn! Die "Luneta"-Eröffnung am 9. Mai in Berlin und Breslau.
Hallo, Nachbarn! Die "Luneta"-Eröffnung am 9. Mai in Berlin und Breslau.Foto: Kulturprojekte Berlin

„Was ist denn da drin – und kann man schon rein?“ Wer Anfang Mai am S-Bahnhof Friedrichstraße unterwegs war, wurde neugierig. Denn dort, auf dem Dorothea-Schlegel-Platz, steht ein blaues Kuppelzelt, sechs Meter hoch, zwölf Meter breit und von Wachschützern gesichert. Bisher mussten sie wissbegierige Passanten vertrösten, doch seit dem 9. Mai ist das Geheimnis gelüftet: Für eine Reise nach Breslau muss man sich nicht erst in den Zug setzen – sondern nur die Schwelle von „Luneta“ überqueren.

„Luneta“, polnisch für „Fernrohr“, ist der Namen der beeindruckenden Installation, die noch bis zum 3. Juli in Berlin und am Breslauer Hauptbahnhof gleichzeitig aufgebaut ist. Wer die einem Fernrohr nachempfundene Röhre im Innern des Zeltes betritt, gelangt in die parallele Wirklichkeit des Partnerortes. Möglich machen das 60 Monitore, die an den Wänden des Tunnels installiert sind und die direkte Umgebung in der anderen Stadt zeigen. Am Ende der rund 7,5 Meter langen und 3,5 Meter hohen Röhre sind auf einer Leinwand die Besucher der jeweils anderen Installation zu sehen.

Engagierte Partner - und ein vollgepacktes Programm

„Vielen Berlinern scheint Wroclaw auf der ,mentalen Landkarte‘ weit weg zu sein – obwohl das gar nicht der Fall ist“, sagt Volkmar Umlauft, Ideengeber und künstlerischer Leiter von „Luneta“, den viele Besuche und polnische Freunde mit Breslau verbinden – und der die Stadt stets bei ihrem polnischen Namen nennt: Wroclaw. „Daraus entstand die Idee, einen Raum zu schaffen, in den man nur hineingehen muss, um die Umgebung des anderen Ortes zu sehen.“ Im Rahmen des Projekts „Breslau-Berlin“, einer Initiative der Stiftung Zukunft Berlin und der Kulturhauptstadt Breslau, wurde diese Vision umgesetzt – unterstützt von der Stadt Wroclaw, der Lottostiftung Berlin, der Kulturstiftung des Bundes und den Technikpartnern Hewlett Packard Enterprise und Intel. „Die Herausforderung eines Netzwerks, das die Umgebung in Echtzeit abbildet und Kommunikation ermöglicht, hat Hewlett Packard gereizt“, erzählt Umlauft. Denn die Besucher können sich nicht nur sehen, sondern über einen gläsernen Tisch mit Touchscreen auch kurze Nachrichten austauschen.

Zu besonderen Ereignissen wird die Partnerstadt dann auch hörbar – etwa wenn Schüler via „Luneta“ gemeinsam musizieren oder Bands im Rahmen einer Jamsession über hunderte Kilometer hinweg improvisieren. „Das wird ein spannendes Experiment und ist in dieser Form einmalig“, freut sich der Filmemacher. Zur Langen Nacht der Wissenschaften gibt es einen Blick hinter die Kulissen, außerdem Workshops, Sprachkurse, Filmvorführungen und Lesungen.

Volkmar Umlauft wünscht sich, dass seine Idee beide Städte und Länder näher zueinander bringt, denn „sie sind so wichtige Partner in Europa“. Vielleicht, so hofft er, könne „Luneta“ den Blick der Berliner und Brandenburger ja ein wenig in Richtung Osten weiten.

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