Kultur : "Prophezeiung": Albtraum Satan

Daniela Sannwald

"Der raffinierteste Trick des Teufels war es, die Welt glauben zu machen, dass es ihn gar nicht gäbe", sagt der Priester, aber da wissen wir längst, dass es ihn doch gibt: in Gestalt des Sektenführers Eric Stark (Rufus Sewell), dessen glattes Kindergesicht mit den riesigen braunen Augen plötzlich einen diabolischen Ausdruck annehmen kann.

Eric Stark sammelt jugendliche Anhänger im Gruftie-Look um sich, die in U-Bahn-Schächten und Abrisshäusern wohnen - seine Sekte heißt "The New Dawn". Nun hat er die drogensüchtige Jenna geheiratet und möchte deren uneheliche Tochter ebenfalls unter seine Fittiche bringen. Die aber lebt seit Jahren bei Tante Maggie, einer liebevollen, ledigen Krankenschwester (Kim Basinger). Es beginnt ein Gezerre um dieses Kind, an dem sich nicht nur Tante und prospektiver Stiefvater, sondern auch die Mutter, die tagsüber für das Mädchen zuständigen Nonnen, ein alter Priester und ein hispanischer Polizist beteiligen.

Und das Kind selbst? Anfangs für autistisch gehalten, zeigt sich, dass es Visionen hat und alle Beteiligten sehen in ihr eine Art Erlöserfigur - kein Wunder also, dass auch ein Jesus-Verschnitt, jede Menge bleicher Teenager, ein tief religiöser schwarzer Raumpfleger und eine todgeweihte Häretikerin (jämmerlich ausgezehrt: Christina Ricci) auftreten. Dabei ist die Kleine kaum mehr als ein MacGuffin, der dem Roger-Corman-Schüler Chuck Russell dazu dient, höllische Spektakel zu inszenieren. Nur weisen die nicht einmal Camp-Qualitäten auf. Schwarze Messen, Fackeln und Feuer, Brandzeichen, Tätowierungen und allerlei andere Erkennungsmerkmale des Bösen: Selbst am Ende des 20. Jahrhunderts stellt man sich die Hölle offenbar wie auf mittelalterlichen Holzschnitten vor. Rufus Sewell immerhin ist - würdiger Nachfolger von Jack Nicholson, Al Pacino und Gabriel Byrne - ein äußerst verführerischer Teufel.

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